Die Landwirtschaft wurde zum ersten kommerziellen Einsatzfeld
In den USA entwickelte autonome Flugzeuge erzielen zunächst in der landwirtschaftlichen Sprühtechnik und im Frachttransport erste Umsätze. Ein von Pyka getestetes pilotloses Flugzeug im kalifornischen San Joaquin Valley fliegt tiefer als bemannte Sprühflugzeuge und verursacht dadurch weniger Sprühverluste; das bedeutet einen geringeren Chemikalieneinsatz.
Das von Pyka entwickelte vollelektrische Sprühflugzeug kann mit seiner Batterie in der Nase rund 35 Minuten in der Luft bleiben und transportiert in einem Rumpftank 300 Liter Flüssigkeit. Etwa ein Dutzend dieser Flugzeuge mit einer Spannweite von rund 11,5 Metern ist in Brasilien im Einsatz, unter anderem bei Baumwolle und Soja.
Zulassungen und Produktionsziele steigern das Investoreninteresse
Das bislang größte für die kommerzielle zivile Nutzung in den USA zugelassene autonome Starrflüglerflugzeug ist Pykas Agrarflugzeug. Die Einsätze sind derzeit jedoch auf ein eng definiertes landwirtschaftliches Umfeld begrenzt; bei den Operationen müssen ein Bodenoperator und ein visueller Beobachter anwesend sein. Das Unternehmen hatte zuvor auch in Brasilien eine entsprechende Genehmigung erhalten.
Pyka will seine heutige Produktionskapazität von rund zwei Dutzend Flugzeugen pro Jahr bis 2030 auf 1.000 Einheiten steigern. Der Verkaufspreis liegt bei 550.000 Dollar pro Flugzeug; zudem werden Kunden in der Bedienung geschult. Das Geschäftsmodell verbindet damit den Hardwareverkauf mit Serviceerlösen.
Worauf konzentrieren sich die Geschäftsrechnungen der Unternehmen?
- In der Landwirtschaft den Chemikalienverbrauch und das Arbeitsrisiko durch geringere Sprühdrift senken.
- Beim Transport in entlegene Regionen die Belastung für Cockpit und Pilot reduzieren und die Transporteffizienz erhöhen.
Auch das in Großbritannien ansässige Unternehmen Windracers sucht eine Genehmigung für einen autonomen Frachtdienst auf den Shetland- und Orkney-Inseln. Das von der Investmenttochter von Boeing unterstützte US-Unternehmen Reliable Robotics testet sein System an einer Cessna 208B Grand Caravan als Frachtflugzeug, während Merlin Labs den Übergang von größeren militärischen Plattformen zu kommerziellen Frachtflugzeugen mit mehr Besatzungsmitgliedern plant. Für viele Unternehmen der Branche sind Verteidigungsaufträge angesichts der langen zivilen Zulassungsverfahren ein wichtiger Entwicklungs- und Finanzierungskanal.
Sicherheitsstandards und Zertifizierungskosten bremsen den Markt
Nach Einschätzung von Experten verlangsamt der im Luftverkehr im Vergleich zu Autos deutlich höhere Sicherheitsstandard die Kommerzialisierung. Mykel Kochenderfer von der Stanford University weist darauf hin, dass das Zertifizierungsverfahren wegen der potenziell schweren Folgen von Flugunfällen deutlich strenger verläuft; dadurch steigen Entwicklungskosten und Markteinführungszeit.
Die Unternehmen verfolgen zudem sehr unterschiedliche technologische Ansätze. Reliable Robotics setzt ohne künstliche Intelligenz auf regelbasierte Software, Radar und ein Fernpilotensystem vom Boden aus, während Merlin Labs plant, generative KI zum Verständnis von Flugverkehrsanweisungen einzusetzen. Pyka will wiederum zusätzlich zu einem Kurzstrecken-Lidar-System KI-gestützte Kameras installieren, um entfernte Objekte zu erkennen.
Branchenbefürworter verweisen auf das Potenzial, den Pilotenmangel zu entschärfen, gefährliche Arbeiten vom Menschen fernzuhalten und die Kosten zu senken, weil ein einzelner Operator mehrere Flugzeuge steuern könnte. Die US Airline Pilots Association sieht das Entfernen des Piloten aus dem Cockpit hingegen als erhebliches Sicherheitsrisiko. Welche Richtung der Markt einschlägt, wird daher nicht nur von der Technologie abhängen, sondern auch von regulatorischer Zulassung und Akzeptanz der Sicherheit.
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