Arbeitsstress wird zum wirtschaftlichen Verlust
In Großbritannien haben Burnout und arbeitsbedingter Stress für Unternehmen und öffentliche Dienste zu einem messbaren Arbeitsausfall geführt. Nach den aktuellen Daten gingen im Zeitraum 2024/25 dadurch 22 Millionen Arbeitstage verloren.
Das Bild deckt sich mit den Erfahrungen von Beschäftigten wie der früheren Kommunikationsfachfrau Jo Hooper, die ihre Karriere schnell vorantrieb. Hooper berichtet, dass sie rund ein Jahr nach dem Erreichen der von ihr angestrebten Führungsposition mit Burnout kämpfte, im selben Jahr zwei schwere Zusammenbrüche erlitt und schließlich ihren Beruf aufgab.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt Burnout als Zustand körperlicher und emotionaler Erschöpfung. Fachleute betonen, dass es zwar nicht als psychische Erkrankung eingestuft wird, aber als Folge von lang anhaltendem, nicht bewältigtem Stress entsteht und unbehandelt weitere Gesundheitsprobleme begünstigen kann.
Junge Beschäftigte und öffentliche Dienste besonders unter Druck
Laut Mental Health UK nahm sich 2025 bei den 18- bis 24-jährigen Beschäftigten jeder Zweite aufgrund stressbedingter psychischer Probleme eine Auszeit von der Arbeit. Das deutet darauf hin, dass Fehlzeiten und Produktivitätsdruck vor allem in den Gruppen sichtbar werden, die neu in den Arbeitsmarkt eintreten.
Gewerkschaften äußern sich vor allem in Wales besorgt darüber, dass Hebammen und Lehrkräfte wegen Burnout ihren Beruf verlassen. Die TUC Cymru erklärt, Stress sei inzwischen das größte Risiko am Arbeitsplatz und habe traditionelle Gefahren wie Chemikalien oder unsichere Maschinenbedienung überholt.
- Niedrige Löhne
- Unsichere Arbeitsverträge
- Nicht bewältigbare Arbeitslast
Expertinnen und Experten: Urlaub allein reicht nicht
Die in Nordwales tätige Psychologin und Business-Coach Dr. Jill Williams sagt, dass Perfektionisten oder Menschen, die ständig zusätzliche Verantwortung übernehmen, einem höheren Risiko ausgesetzt seien. Nach Einschätzung von Fachleuten können genau jene Arbeitsgewohnheiten, die Karrieren oft voranbringen, ohne klare Grenzen auch zu einer Hauptursache für Burnout werden.
Amy Davies von Public Health Wales betont, dass Stress und Burnout nicht dasselbe seien; Burnout zeichne sich dadurch aus, dass Betroffene das Gefühl haben, keine Kraftreserven mehr zu haben. Analysen zufolge bringt schon Erholung allein meist keine dauerhafte Lösung: Wenn nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz das gleiche Tempo und dieselben Erwartungen bestehen bleiben, kann das Problem erneut auftreten.
Die britische Arbeitsschutzbehörde Health and Safety Executive erinnerte daran, dass Arbeitgeber rechtlich verpflichtet sind, Risiken durch arbeitsbedingten Stress zu bewerten und zu steuern. Die Regierung von Wales teilte zudem mit, dass sie gemeinsam mit Arbeitgebern und Gewerkschaften daran arbeite, den Druck zu verringern, das Wohlbefinden der Beschäftigten zu stärken und angemessene Unterstützung für die psychische Gesundheit bereitzustellen.
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