Trumps Wachstumsprognose und die Forderung nach niedrigeren Zinsen
Donald Trump erklärte, für die US-Wirtschaft seien Wachstumsraten zwischen 14 und 20 Prozent möglich, und argumentierte, selbst eine derart starke Expansion müsse keine Zinserhöhung nach sich ziehen. Die Aussage fiel bei einer Veranstaltung im Oval Office, bei der Vereinbarungen zur Senkung der Preise für verschreibungspflichtige Medikamente vorgestellt wurden.
Trumps Botschaft kam zu einem Zeitpunkt, an dem die Inflation weiterhin über dem 2-Prozent-Ziel der Fed (US-Notenbank) liegt. Während die Fed ihren Leitzins im Juli unverändert ließ, stimmten drei Mitglieder für eine Anhebung um einen Viertelpunkt; der Blick der Märkte richtet sich nun auf die September-Sitzung.
Was sagen die historischen BIP-Daten zu diesen Raten?
Die von Trump genannten Werte sind in den US-Daten der modernen Zeit nahezu nie vorgekommen. Ein annualisiertes reales BIP-Wachstum von 20 Prozent und mehr wurde in den Daten des BEA (Bureau of Economic Analysis, US-Behörde für Wirtschaftsanalysen) nur im dritten Quartal 2020 verzeichnet.
Damals wuchs die Wirtschaft mit einer annualisierten Rate von 34,9 Prozent, angetrieben von der Wiederöffnung nach den Covid-19-Lockdowns. Dem vorausgegangen war im Vorquartal ein annualisierter Rückgang um 28 Prozent.
Die zweitstärkste Entwicklung in der Serie wurde im ersten Quartal 1950 während der Nachkriegsbelebung mit einem Wachstum von 16,7 Prozent erreicht. Abgesehen davon kam in dem fast 80 Jahre umfassenden Datensatz kein weiteres Quartal auch nur in die Nähe der 20-Prozent-Marke.
- Reales BIP-Wachstum im ersten Quartal 2026: 2,1 %
- Reales BIP-Wachstum im zweiten Quartal 2026: 1,5 %
- Fed-Leitzins im Juli: 3,5 % bis 3,75 %
Aktuelle Wachstumslage und Auswirkungen auf die Märkte
Die heutige Lage liegt weit unter den historischen Spitzen
Nach der jüngsten Schätzung des BEA wuchs die US-Wirtschaft im zweiten Quartal 2026 um 1,5 Prozent auf annualisierter Basis. Nach den 2,1 Prozent im ersten Quartal zeigt die Zahl eine Verlangsamung und macht den Abstand zwischen Trumps genannten Größenordnungen und dem derzeitigen Wachstumstempo deutlich.
Da die Quartalsdaten zum BIP annualisiert ausgewiesen werden, bedeutet ein Wert von 20 Prozent nicht, dass die Wirtschaft in einem einzigen Quartal direkt um 20 Prozent gewachsen ist. Dieser Unterschied gilt als entscheidend für die Einordnung der Daten durch die Märkte.
Entscheidend für den Zinskurs wird die Inflation sein
Die Fed hielt ihren Leitzins in der Juli-Sitzung in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent stabil. Dennoch gehen viele Marktbeobachter davon aus, dass das Federal Open Market Committee wegen anhaltender Inflationsdrucke auf seiner Sitzung im September eine weitere Anhebung erwägen könnte.
Beschleunigtes Wachstum allein erzeugt zwar nicht automatisch Inflation, doch wenn die Nachfrage die Produktionskapazitäten übersteigt, können die Preisdruck zunehmen. Deshalb wird Trumps Forderung nach niedrigeren Zinsen an den Märkten weniger als Wachstumsfrage denn als Frage von Inflation und dem nächsten Schritt der Fed gelesen.
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