Rückkehrer aus Pakistan und Iran sammeln sich an der Grenze
Abgeschobene Afghanen tragen beim Grenzübertritt am Torkham-Grenzübergang in Pakistan nicht nur die Last ihres zurückgelassenen Lebens mit sich, sondern auch die Unsicherheit über ihre Zukunft unter der Taliban-Regierung. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR haben in diesem Jahr bereits mehr als 1 Million Menschen aus Pakistan und Iran den Weg zurück nach Afghanistan gefunden. Viele Familien, die die Registrierungsstellen an der Grenze erreichen, sehen sich vom ersten Moment an mit Fragen nach Unterkunft, Nahrung und Lebensunterhalt konfrontiert.
Ein großer Teil der Rückkehrer besteht aus Menschen, die Afghanistan vor Jahrzehnten verlassen haben oder das Land nie gesehen haben, weil sie in Nachbarstaaten geboren wurden. In den provisorischen Zeltlagern in der Nähe von Torkham können Familien oft nur für wenige Nächte untergebracht werden. UNHCR weist darauf hin, dass es sich um eine der größten grenzüberschreitenden Bevölkerungsbewegungen der jüngeren Zeit handelt.
Was sagen die Zahlen?
- Nach Angaben von UNHCR sind in den vergangenen fast drei Jahren 6 Millionen Menschen nach Afghanistan zurückgekehrt.
- Allein in diesem Jahr liegt die Zahl der Rückkehrer aus Pakistan und Iran bei mehr als 1 Million.
- Pakistan hat aus humanitären Gründen eine vorübergehende Abschiebungsausnahme für 16.000 besonders schutzbedürftige Afghanen gewährt.
Rückführungen treffen auch registrierte Afghanen
Pakistan und Iran argumentieren, Afghanen müssten in ihre Heimat zurückkehren, und verweisen dabei auf Sicherheitsrisiken und wirtschaftliche Belastungen. UN-Organisationen und Menschenrechtsgruppen berichten jedoch, dass die Maßnahmen nicht nur irreguläre Migranten betreffen: Auch Afghanen mit Registrierungskarten in Pakistan seien nicht verschont geblieben.
Die pakistanische Regierung weist Vorwürfe von Misshandlungen gegen Afghanen zurück und erklärt, mögliche Fälle seien Einzelfälle und würden im rechtlichen Rahmen behandelt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtete hingegen im Februar von Razzien von Haus zu Haus, nächtlichen Durchsuchungen und Festnahmen ohne Gerichtsbeschluss. In Iran sollen die Massenausweisungen nach dem 12-tägigen Krieg mit Israel und den USA im Juni 2025 an Fahrt aufgenommen haben.
Menschenrechtsgruppen argumentieren, afghanische Migranten würden nach dem Krieg noch stärker unter Generalverdacht gestellt, etwa wegen Spionagevorwürfen. Die Vereinten Nationen betonen dagegen erneut, dass jede Rückkehr freiwillig, sicher und würdevoll sein müsse, und warnen vor Zwangsmaßnahmen.
Die humanitäre Lage in Afghanistan verschärft die Rückkehr zusätzlich
Auch in Afghanistan selbst ist die Lage unter Taliban-Herrschaft äußerst schwierig. Nach UN-Schätzungen benötigen in diesem Jahr 21,9 Millionen Menschen Hilfe zum Überleben; UNICEF erklärte zudem, dass 1 Million Kinder von lebensbedrohlicher Mangelernährung bedroht seien.
Zusätzliche Risiken für Frauen und frühere Sicherheitskräfte
Während im Land strenge Einschränkungen für Frauen und Mädchen beim Zugang zu Bildung und zum öffentlichen Leben fortbestehen, sorgen sich zurückkehrende Familien besonders um die Zukunft ihrer Töchter. Ehemalige Sicherheitskräfte und einige frühere Regierungsmitarbeiter sagen zudem, sie zweifelten an der von den Taliban verkündeten Amnestie und lebten aus Angst vor Vergeltung im Verborgenen.
Taliban-Außenminister Amir Khan Muttaqi räumte ein, dass die Rückkehrer unter Druck stehen, argumentierte aber, langfristig werde dies dem Land zugutekommen. UNHCR betont hingegen, dass kein Land eine Krise dieses Ausmaßes allein bewältigen könne; vor allem die Einschränkungen für Frauen und Mädchen schwächten die internationale Unterstützung.
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