Robotaxi-Wachstum wird für Tesla zum finanziellen Stresstest

Der Tesla Cybercab-Dienst hat in Austin seinen ersten Monat hinter sich, und die Zahl der in Texas für den kommerziellen Einsatz zugelassenen fahrerlosen Fahrzeuge des Unternehmens ist auf 169 gestiegen. Gleichzeitig setzen die Verlangsamung der Autoverkäufe, die schwächere Aktienentwicklung und der zunehmende Wettbewerb Tesla unter Druck, das Robotaxi-Geschäft zu einem neuen Wachstumstreiber zu machen.

Die am Freitag veröffentlichten Auslieferungszahlen für das dritte Quartal lagen über den Erwartungen, woraufhin die Aktie um rund 5 % zulegte. Dennoch gingen die Auslieferungen im Jahresvergleich um 2 % zurück; das Kerngeschäft des Konzerns mit Automobilen steht zudem weiter unter Druck durch günstigere Modelle der chinesischen Hersteller BYD und Xiaomi.

Die Tesla-Aktie hat in diesem Jahr an der Wall Street rund 18 % verloren. Das rückt die Erwartung in den Vordergrund, dass der Konzern im Bereich fahrerloser Mobilität schneller expandieren muss, um das Interesse der Anleger neu zu beleben.

Der erste Monat in Austin sendete gemischte Signale

Zum kommerziellen Start begann Cybercab in Texas mit 45 Fahrzeugen. Stand Freitag waren es 169. Zur Tesla-Robotaxi-Flotte in Texas gehören außerdem 420 Model Y mit automatischem Fahrsystem, die Privatkunden bislang noch nicht angeboten werden.

Die ersten Nutzererfahrungen in Austin verliefen jedoch nicht völlig reibungslos. In Online-Beiträgen wurde berichtet, dass es in der Anfangsphase längere Wartezeiten gab und einige Abhol- und Absetzpunkte fehlerhaft waren.

Die wichtigsten Probleme im ersten Monat

  • Lange Wartezeiten sowie Abhol- und Absetzvorgänge am falschen Ort
  • Technische Probleme mit Flügeltüren und dem Schließen des Kofferraums

Der eigentliche Vergleichsmaßstab für das Unternehmen ist jedoch die Waymo-Einheit von Alphabet. Waymo ist nach Unternehmensangaben in 15 US-Märkten aktiv und bereitet sich auf 15 weitere Städte vor. In Texas verfügte das Unternehmen am Freitag über 1.154 kommerziell zugelassene autonome Fahrzeuge und teilte mit, wöchentlich mehr als 500.000 bezahlte Fahrten anzubieten sowie in den USA 270 Millionen vollständig autonome kommerzielle Meilen absolviert zu haben.

Vor der Expansion stehen Regulierung und Sicherheit

Die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) hat nach dem Start eine Untersuchung eingeleitet, um zu prüfen, ob Cybercab die bundesweiten Sicherheitsstandards erfüllt. Die Frist für Teslas Antworten auf die Sicherheitsfragen der Behörde wurde später verlängert.

Seit dem kommerziellen Start in Austin wurde kein schwerwiegender Sicherheitsvorfall oder Zusammenstoß im Zusammenhang mit Cybercab gemeldet. Dennoch verweisen Ersthelfer darauf, dass bei Fahrzeugen ohne Lenkrad und Pedale zusätzliche Regeln nötig sein könnten, um in Notfällen die Kontrolle sicherzustellen.

Auch Umfragen zeichnen ein vorsichtiges Bild. Einer Studie von Slingshot Strategies aus dem September 2026 zufolge würden sich in den USA 50 % der Befragten nicht wohl dabei fühlen, in ein Robotaxi ohne Lenkrad und Pedale einzusteigen. Von denjenigen, die von der NHTSA-Untersuchung erfahren hatten, wollten 70 %, dass Tesla die Fahrten stoppt.

Der nächste entscheidende Schritt für Tesla wird die Expansion über Austin hinaus sein. San Antonio, Dallas, Nevada und Florida stehen auf der Agenda, doch für eine breite Ausweitung bis Ende 2026 müssen technische Reife, regulatorische Zustimmung und das Vertrauen der Verbraucher zusammenkommen.