Lillys Phase-2-Daten nähren Hoffnungen auf neue Umsätze
Amylin-basierte Medikamente der nächsten Generation werden nicht als Ersatz für GLP-1-Therapien gesehen, sondern als ergänzendes Wachstumsfeld. Lilly teilte diese Woche mit, dass in einer Phase-2-Studie der experimentelle Amylin-Wirkstoff Eloralintide in Kombination mit Tirzepatide bei Patienten mit Adipositas und Typ-2-Diabetes die Gewichtsabnahme deutlich verstärkt habe.
In der 48-wöchigen Studie verloren Patienten in der höchsten Kombinationsdosis im Schnitt 23,3 % ihres Gewichts, während es in der Gruppe mit ausschließlich hoch dosiertem Tirzepatide 14,8 % waren. Die von dem Unternehmen genannten Werte basieren auf einer Wirksamkeitsanalyse unter der Annahme, dass die Studienteilnehmer in der Behandlung geblieben wären. Lilly entwickelt Eloralintide sowohl als eigenständige Therapie als auch als Teil eines Kombinationsschemas.
Aus Marktsicht steht vor allem das mögliche Umsatzpotenzial im Fokus. David Risinger, Analyst bei Leerink Partners, schätzt, dass Lilly mit seinen Eloralintide-Produkten bis Ende 2035 23,2 Milliarden Dollar Jahresumsatz erzielen könnte. Demnach könnte die Einzeltherapie 2029 und die Kombination 2030 auf den Markt kommen.
Nebenwirkungen und Phase 3 entscheiden über die Investment-Story
Dennoch steht Lilly noch vor einer wichtigen Bewährungsprobe. Da die Daten aus einer vergleichsweise kleinen Phase-2-Studie stammen, muss das Unternehmen die Ergebnisse in den für dieses Jahr geplanten Phase-3-Studien bestätigen.
Auch die Abbruchraten wegen Nebenwirkungen werden genau beobachtet. In der Kombinationsgruppe lagen sie je nach Dosis zwischen 10,8 % und 27 %, während sie in der Gruppe mit ausschließlich Tirzepatide bei 2,9 % lagen. Experten betonen, dass die Gewichtsabnahme bei Patienten mit Typ-2-Diabetes im Allgemeinen begrenzter ausfallen könne und ein zusätzlicher Effekt daher kommerziell wichtig sei; zugleich werde die langfristige Verträglichkeit mindestens ebenso entscheidend sein wie die Wirksamkeit.
Analysten zufolge könnte es mehr als 10 Millionen potenzielle Patienten geben, die von GLP-1-Therapien nicht ausreichend profitieren, Nebenwirkungen erleiden oder biologisch nicht stark genug ansprechen. Das würde Amylin-basierten Medikamenten einen eigenständigen Markt eröffnen.
Auch Novo und andere Hersteller investieren in dasselbe biologische Ziel
Novo Nordisk verfolgt seit Längerem eine ähnliche Strategie. Der Amylin-Kandidat Cagrilintide des Unternehmens zeigte in einer späten Studie als Monotherapie eine deutliche Gewichtsabnahme; CagriSema, die Kombination mit Semaglutid, erzielte in klinischen Studien noch bessere Ergebnisse. CagriSema dürfte Anfang nächsten Jahres auf den Markt kommen, Cagrilintide allein und die höher dosierte Version von CagriSema werden für 2028 erwartet.
Novo arbeitet zudem an Amycretin beziehungsweise Zenagamtide, die GLP-1- und Amylin-Wirkung in einem Molekül vereinen. Der Kandidat wird sowohl als wöchentliche Injektion als auch als tägliche Tablette getestet und lieferte Anfang dieses Jahres vielversprechende Phase-2-Daten. Dass auch Unternehmen wie Pfizer, AstraZeneca und Viking Therapeutics ihre Amylin-Programme vorantreiben, zeigt, dass sich der Wettbewerb im Markt für Adipositas-Medikamente auf eine neue Achse verlagert.
Amylin erhöht das Sättigungsgefühl und hemmt den Appetit, wirkt dabei aber über einen anderen biologischen Pfad als GLP-1. Deshalb geht die Branche davon aus, dass Kombinationen, die mehrere Hormonwege ansprechen, sowohl die klinischen Ergebnisse als auch das langfristige Umsatzpotenzial steigern könnten, statt nur die Dosis eines einzelnen Präparats zu erhöhen. Ob diese Medikamente Tirzepatide oder anderen Therapien der neuen Generation überlegen sind, lässt sich jedoch erst mit weiteren klinischen Daten und behördlichen Zulassungen klären.
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