Warum Citi Oracle wieder in den Fokus nimmt
Oracle-Aktie ist nach dem deutlichen Kursrückgang im Jahresverlauf wieder auf dem Radar der Analysten gelandet. Die US-Bank Citi hat den Konzern auf ihre 90-tägige Beobachtungsliste für mögliche Kurstreiber gesetzt und das Votum „Kaufen“ sowie das Kursziel von 330 Dollar bestätigt.
Citi argumentiert, dass der jüngste Rücksetzer für Anleger einen attraktiveren Einstiegspunkt geschaffen haben könnte. Nach Einschätzung der Bank könnte die starke Nachfrage nach Infrastruktur für künstliche Intelligenz im Cloud-Geschäft von Oracle das Wachstumstempo, die Preisgestaltung und die Profitabilität über die Erwartungen hinaus antreiben. Als zwei wichtige Termine, die das Vertrauen am Markt stützen könnten, nennt Citi die Bilanzvorlage Ende Oktober sowie den Investorentag.
Oracle hat im Mai-Quartal rund 85 Milliarden Dollar zu den verbleibenden Leistungsverpflichtungen hinzugefügt. Das deutet auf einen schnelleren Auftragsbestand im Cloud- und KI-Geschäft hin, während an der Wall Street weiter beobachtet wird, ob sich das Interesse der Anleger an der Aktie erneut verstärkt.
Was die Finanzergebnisse über das Wachstum zeigen
Oracle erzielte in den am 10. Juni vorgelegten Ergebnissen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von 19,2 Milliarden Dollar. Das entsprach einem Plus von 21 Prozent im Jahresvergleich, während der bereinigte Gewinn je Aktie auf 2,11 Dollar stieg und damit 24 Prozent über dem Vorjahreswert lag.
Der wichtigste Wachstumstreiber war das Cloud-Geschäft. Der gesamte Cloud-Umsatz legte um 47 Prozent auf 9,9 Milliarden Dollar zu, während der Umsatz mit Oracle Cloud Infrastructure (OCI) um 93 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar sprang. Dagegen gingen die Softwareerlöse um 2 Prozent zurück, weil Kunden von älteren Produkten auf cloudbasierte Lösungen umsteigen.
Auch die verbleibenden Leistungsverpflichtungen fielen deutlich ins Auge. Diese Kennzahl stieg im Jahresvergleich um 363 Prozent auf 638 Milliarden Dollar und gilt als Indikator für die künftige Umsatzentwicklung des Unternehmens.
Aktienkurs und Bewertung im aktuellen Marktumfeld
Die Aktie hat sich im August zwar erholt, notiert aber weiter deutlich unter ihren früheren Höchstständen. Oracle liegt 56 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 345,72 Dollar, rund 37 Prozent im Minus auf 52-Wochen-Sicht und seit Jahresbeginn 23 Prozent hinten.
- Am 28. Juli fiel die Aktie zeitweise auf 114,50 Dollar.
- In den vergangenen vier Wochen legte sie um rund 26 Prozent zu.
- Nach dem Citi-Schritt gewann sie am 26. August 2,8 Prozent und am 27. August weitere 2 Prozent.
Oracle wird zudem mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 23,4 gehandelt. Diese Bewertung gilt sowohl im Vergleich mit ähnlichen Unternehmen als auch gegenüber dem historischen Durchschnitt der Aktie als Abschlag.
Das größte Risiko für Anleger sind hohe Ausgaben
Trotz des positiven Wachstumsausblicks bleibt die zentrale Frage die Höhe der Investitionen. Oracle hat im Geschäftsjahr 2026 rund 55,7 Milliarden Dollar an Investitionen getätigt, um die Kapazitäten seiner Rechenzentren auszubauen; damit lag der Betrag über dem ursprünglichen Ziel des Managements von 50 Milliarden Dollar.
Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 erwartet das Unternehmen ein Umsatzplus von 27 bis 29 Prozent und ein Wachstum der Cloud-Erlöse von 57 bis 63 Prozent. Das Management hält an seinem Umsatzziel von 90 Milliarden Dollar für das Geschäftsjahr 2027 fest und hob die Prognose für den bereinigten Gewinn je Aktie auf 8,05 Dollar an.
Gleichzeitig könnte das Investitionsvolumen im Geschäftsjahr 2027 auf bis zu 95 Milliarden Dollar steigen. Etwa 70 Milliarden Dollar sollen aus eigenen Mitteln kommen, 20 bis 25 Milliarden Dollar von Kunden erstattet werden; außerdem ist ein Finanzierungsplan mit rund 40 Milliarden Dollar aus Schulden- und Eigenkapitalmitteln vorgesehen, um die Expansion zu stützen.
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