Broadcoms KI-Ziel und die aktuelle Bewertung

Broadcom-Aktie notiert trotz des festgehaltenen Ziels, den Umsatz mit KI-Halbleitern im Geschäftsjahr 2027 auf mehr als 100 Milliarden Dollar zu steigern, deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Die Aktie liegt bei rund 370 Dollar, nachdem das Hoch bei 495 Dollar lag; damit notiert der Kurs etwa 25 Prozent unter dem Rekord.

Broadcom-Chef Hock Tan sagte in der Bilanzkonferenz am 3. Juni, das Unternehmen rechne in diesem Geschäftsjahr mit rund 56 Milliarden Dollar Umsatz mit KI-Halbleitern. Für 2027 bleibe das Ziel von mehr als 100 Milliarden Dollar bestehen. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres, das am 3. Mai endete, stiegen die KI-Halbleitererlöse auf 10,8 Milliarden Dollar; das entspricht einem Anstieg von 143 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Zwei zentrale Risiken im Blick des Marktes

Im Fokus der Anleger stehen vor allem der Zeitpunkt des Umsatzanstiegs und die hohe Kundenkonzentration. Das Unternehmen plant im Geschäftsjahr 2027 die Auslieferung von rund 10 Gigawatt an KI-Rechenkapazität; weil der Großteil des Wachstums erst in der zweiten Jahreshälfte erwartet wird, wächst die Sorge, dass ein Teil der Erlöse später verbucht werden könnte und sich mögliche Verzögerungen bis 2028 verschieben.

Auch bei der Bewertung hat sich die Aktie zurückgebildet. Als das Papier noch am 52-Wochen-Hoch stand, wurde es mit dem rund 25-Fachen des von Analysten erwarteten bereinigten Gewinns für das Geschäftsjahr 2027 gehandelt. Heute liegt das Papier auf Basis derselben Erwartungen bei etwa dem 19-Fachen.

Verträge, Aufträge und Sichtbarkeit

Das Management verweist zur Stützung des Ziels auf mehrjährige Vereinbarungen und einen starken Auftragseingang. Im zweiten Quartal standen den 10,8 Milliarden Dollar an KI-Halbleiterlieferungen Bestellungen von mehr als 30 Milliarden Dollar gegenüber; laut Unternehmensführung reicht die Sichtbarkeit bis ins Jahr 2028 hinein.

  • Alphabet hat eine langfristige Vereinbarung für mehrere TPU-Generationen abgeschlossen.
  • Für Anthropic sind ab 2027 zusätzliche 5 Gigawatt TPU-basierter Rechenkapazität geplant.
  • Mit OpenAI gibt es eine Zusage für eine Installation von 1,3 Gigawatt im kommenden Jahr.
  • Mit Meta Platforms läuft eine Partnerschaft für kundenspezifische Chips über 3 Gigawatt bis Ende 2028.
  • Von zwei weiteren Kunden gingen Kaufaufträge im Gesamtwert von 6 Milliarden Dollar ein.

Warum die nächste Bilanz so wichtig ist

Der Markt richtet den Blick nun auf die Ergebnisse des dritten Geschäftsquartals, die am 2. September veröffentlicht werden sollen. Broadcom hatte für das dritte Quartal einen KI-Halbleiterumsatz von 16 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt; die Erwartungen für das vierte Quartal dürften erste klare Hinweise darauf liefern, ob das Ziel von 56 Milliarden Dollar für das Gesamtjahr gehalten werden kann.

Das jüngste Signal zur Kundenkonzentration kam am 19. August. Nachdem Marvell Technology eine ausgeweitete Vereinbarung mit Google über kundenspezifische Chips bekannt gegeben hatte, fiel die Broadcom-Aktie um rund 5 Prozent. Zuvor hatte das Unternehmen im April bereits eine langfristige Vereinbarung mit Alphabet über mehrere TPU-Generationen gemeldet.