Nvidias Bilanz zeigt: Das Wachstum verliert nicht an Schwung
Nvidia hat in den vergangenen fünf Jahren sowohl bei der Aktienentwicklung als auch bei der Marktkapitalisierung einen bemerkenswerten Sprung hingelegt. Die Aktie legte in diesem Zeitraum um 817,8 % zu, während die Marktkapitalisierung von rund 557 Milliarden Dollar auf 5 Billionen Dollar stieg. Dennoch dreht sich die eigentliche Debatte am Markt darum, ob die Aktie trotz dieser Dimensionen noch als teuer gilt.
Nach den am 26. August veröffentlichten Ergebnissen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 lag der Gesamtumsatz bei 96,2 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 106 % im Jahresvergleich, während der bereinigte Gewinn je Aktie um 120 % auf 2,22 Dollar kletterte. Der wichtigste Wachstumstreiber blieb erneut das Rechenzentrumsgeschäft.
Rechenzentrumsumsätze und Produktwechsel im Fokus
Der Quartalsumsatz der Rechenzentrumssparte wurde mit 89 Milliarden Dollar angegeben. In diesem Segment stiegen die Erlöse um 18 % gegenüber dem Vorquartal und um 117 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Unternehmensführung betonte, dass die Blackwell-Plattform zu diesem Wachstum wesentlich beigetragen habe.
Für das dritte Quartal erwartet das Management einen Umsatz von rund 108 Milliarden Dollar; die Prognose dürfe dabei um 2 % nach oben oder unten abweichen. Vera Rubin soll demnach rund 20 % der Rechenzentrumsumsätze ausmachen, und für das Geschäftsjahr 2028 wird ein Umsatzplus von 70 % in Aussicht gestellt. Gleichzeitig machte das Unternehmen deutlich, dass dieser Ausblick weiterhin durch Angebotsengpässe begrenzt sei.
Warum bleibt die Bewertung relativ niedrig?
Trotz des starken Wachstums wird die Aktie auf Basis des erwarteten Gewinns für das Geschäftsjahr 2027 mit dem 23-Fachen gehandelt. Laut Analystenschätzungen dürfte Nvidias Umsatz im Geschäftsjahr 2027 um 83 % auf 396,73 Milliarden Dollar steigen, während der Gewinn je Aktie um 89,8 % auf 9,05 Dollar zulegen könnte. Für das Geschäftsjahr 2028 wird ebenfalls mit einem Umsatzplus von 44,6 % und einem Gewinnanstieg von 45 % gerechnet.
Dass der Markt die Aktie dennoch vorsichtiger bewertet, hat mehrere Gründe:
- Wachsende Konkurrenz: Googles TPU, Amazons Trainium und die von Microsoft entwickelten Spezialchips.
- Kunden werden zu Wettbewerbern: Auch OpenAI, Anthropic und Meta arbeiten an eigenen Spezialchip-Lösungen.
- Suche nach Alternativen: AMD positioniert sich zunehmend als zweite Quelle im Bereich KI-Berechnung.
AWS-Partnerschaft stützt die Wachstumsstory
Die Unternehmensführung geht davon aus, dass die Investitionsausgaben der fünf größten Hyperscaler im Jahr 2026 auf etwa 800 Milliarden Dollar und 2027 auf 1,3 Billionen Dollar steigen könnten. Das verdeutlicht die Größenordnung des Marktes für KI-Infrastruktur, in dem Nvidia tätig ist. Dass Amazons AWS (Amazon Web Services) von diesem Quartal bis zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2029 weitere 2 Millionen Nvidia-GPUs einsetzen will, unterstreicht den Nachfrageausblick zusätzlich.
Außerdem will das Unternehmen die Nemotron-Modelle über seine Cloud-Dienste anbieten und physische KI-Technologien in Lagerrobotern einsetzen. Die Führung sieht mit Vera Rubin in KI-Rechenzentren eine Umsatzchance von rund 40 Milliarden Dollar pro Gigawatt – mehr als doppelt so viel wie auf Hopper-Niveau.
Wall-Street-Erwartungen und mögliche Folgen für die Aktie
Die Stimmung an der Wall Street bleibt für die Aktie überwiegend positiv. Von 48 Analysten, die Nvidia beobachten, empfehlen 43 den Kauf, 3 raten zu einem moderaten Kauf, 1 zum Halten und 1 zum starken Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel von 307,38 Dollar signalisiert gegenüber dem aktuellen Niveau ein Potenzial von 37 %, während das höchste Kursziel von 500 Dollar auf eine 12-Monats-Chance von 122 % hindeutet.
Das zeigt: Der Markt preist einerseits Risiken durch eine mögliche Abkühlung und stärkere Konkurrenz ein, blendet das hohe Umsatz- und Gewinnwachstum des Unternehmens aber keineswegs aus. Die Finanzdaten deuten darauf hin, dass Nvidias Bewertung nicht im gleichen Tempo mitgewachsen ist wie die Unternehmensgröße.
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