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Warum stützen die Bilanzen die Aktien?

Die Ergebnisse der Unternehmen im S&P 500 haben an den US-Börsen die Sommer-Rally mitgetragen und gehörten zu den wichtigsten Faktoren des Anstiegs in den vergangenen Monaten. Da die Berichtssaison inzwischen weitgehend abgeschlossen ist, richtet sich der Fokus der Anleger nicht mehr nur auf die tatsächlich erzielten Gewinne, sondern auch auf einen neuen Markttreiber: steigende Analystenschätzungen für die kommenden Quartale.

Nach Einschätzung von Evercore ISI-Stratege Julian Emanuel ist der nächste positive Impuls für Aktien das Zusammenspiel aus höheren Gewinnerwartungen und weniger Abwärtskorrekturen. Emanuel erklärte, der saisonale Trend bei den Gewinnschätzungen habe sich umgekehrt und die Prognosen stiegen weiter. In einer kurzen Einschätzung sagte er zudem: „Wir leben in außergewöhnlichen Zeiten.“

Was sagen die Zahlen?

Daten von FactSet zeigen, dass die Berichtssaison zum zweiten Quartal deutlich über den Markterwartungen verlief. Vor allem die Überraschungen beim Ergebnis je Aktie deuten auf eine der stärksten Phasen der vergangenen Jahre hin.

  • Rund 86 % der S&P-500-Unternehmen übertrafen die Erwartungen beim Ergebnis je Aktie.
  • Damit lag die Quote über dem Fünfjahresdurchschnitt von 78 % und dem Zehnjahresdurchschnitt von 76 %.
  • Bestätigt sich zum Quartalsende ein Wert von 86 %, wäre das die höchste positive Gewinnüberraschungsquote seit dem zweiten Quartal 2021.
  • Insgesamt meldeten die Unternehmen Gewinne, die 26,5 % über den Schätzungen lagen und damit weit über den Durchschnittswerten von 7 % in fünf Jahren und 7,4 % in zehn Jahren.
  • Für das zweite Quartal liegt das Gewinnwachstum des S&P 500 bei 52 %. Bleibt dieser Wert bestehen, wäre es nach dem zweiten Quartal 2021 mit 91,6 % das stärkste Wachstum des Index seitdem.

Warum sind Schätzungsrevisionen wichtig?

Laut Emanuel haben sich die Prognosen für die Median-Unternehmen im Index nicht nur beim Umsatzwachstum, sondern auch beim Nettogewinn und bei den freien Cashflow-Renditen verbessert. Das bereitet den Boden dafür, dass Anleger mit Blick auf den Herbst nicht nur auf die vergangenen Ergebnisse schauen, sondern auch auf die zukünftige Profitabilität optimistischer reagieren.

Goldman Sachs-Stratege Ronnie Walker betonte ebenfalls, dass die Zahlen des zweiten Quartals trotz der Anpassungen zeigen, wie robust die Unternehmensfundamentaldaten geblieben sind. Zu den wichtigsten Risiken, die dieses Bild trüben könnten, zählen ein Anstieg des Ölpreises über 100 Dollar sowie eine restriktivere Fed, die einen neuen Zinserhöhungszyklus einleiten könnte.

Wie ist die Marktreaktion zu lesen?

Die aktuellen Daten zeigen, dass der Aufwärtstrend an den US-Aktienmärkten nicht nur auf höhere Bewertungen zurückzuführen ist, sondern auch auf eine echte Verbesserung der Gewinne. Dass die Analystenschätzungen weiter nach oben angepasst werden, spricht dafür, dass die Unterstützung durch die Berichtssaison nicht auf den Sommer beschränkt bleiben muss, sondern auch im Herbst Einfluss auf die Kursbildung haben könnte.

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