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Welche Branchen trifft die neue Zollrunde?

Der US-Kanada-Handelskrieg hat sich mit dem breit angelegten Zollprogramm verschärft, das nach Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 gestartet wurde. Die USA belegen zentrale kanadische Branchen wie Stahl, Aluminium, Holz und die Autoindustrie mit Zöllen und haben in der vergangenen Woche auf kanadische Produkte im Wert von rund 28 Milliarden kanadischen Dollar zusätzliche Zölle von 50 Prozent erhoben. Ottawa kündigte am Dienstag neue Vergeltungsmaßnahmen nach dem Prinzip „Dollar für Dollar“ an, um die US-Zölle zu spiegeln.

In Kanada steht vor allem Ontario unter Druck

In Kanada spürt vor allem Ontario mit seiner starken Industrie die Folgen. In der Provinz melden zahlreiche Betriebe aus der Autozulieferung und Montagebranche Entlassungen und Produktionskürzungen; seit Jahresbeginn 2025 sollen in der verarbeitenden Industrie Zehntausende Stellen weggefallen sein. In Quebec gingen die Metallexporte zwischen Februar 2025 und 2026 um 36 Prozent zurück, während die Beschäftigung in der Branche um 3,6 Prozent sank.

Nach Daten der Royal Bank of Canada sind Ontario und Quebec von den sektoralen US-Zöllen am stärksten betroffen. Newfoundland und Labrador, New Brunswick, Alberta, Saskatchewan und Prince Edward Island gelten dagegen als vergleichsweise weniger gefährdet. Mit den zusätzlichen US-Abgaben, die seit dem 22. August gelten, dürften zwar alle Provinzen betroffen sein, die größte Belastung wird jedoch in British Columbia, Quebec und Ontario erwartet.

In den USA stehen Ohio, Illinois und Pennsylvania im Fokus

Auch wenn die US-Wirtschaft deutlich größer ist, werden Kanadas Vergeltungszölle in einigen Bundesstaaten spürbaren Druck erzeugen. Ab dem 8. September werden auf US-Waren im Wert von 28 Milliarden kanadischen Dollar Zölle erhoben – von Stahl und Möbeln bis hin zu Kosmetik und Toilettenpapier. Daten von Statistics Canada zeigen, dass Ohio mit 3,2 Milliarden kanadischen Dollar am stärksten von den kanadischen Zöllen betroffen sein dürfte; dahinter folgen Illinois und Pennsylvania.

Wie verändern sich effektive Zollsätze und Handelsströme?

Premierminister Mark Carney betont zwar, Kanada sei im Vergleich zu anderen Ländern weiterhin mit niedrigeren US-Zöllen konfrontiert, doch die jüngsten Erhöhungen haben das Bild verändert. Laut der Royal Bank of Canada ist der durchschnittliche effektive Zollsatz der USA auf kanadische Waren von 2,9 Prozent im Juni inzwischen auf fast das Doppelte gestiegen und liegt nun bei 5,7 Prozent. Damit liegt er nun über dem Niveau für Mexiko und nähert sich dem für das Vereinigte Königreich berechneten Satz von 6,2 Prozent an.

Mehr als 70 Prozent der kanadischen Exporte gehen in die USA. Daten der Bank of Canada (Kanadische Zentralbank) zeigen jedoch, dass Unternehmen seit Trumps Rückkehr verstärkt in Märkte außerhalb der USA liefern. Auch Carneys Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Exporte außerhalb der USA in den nächsten zehn Jahren zu verdoppeln.

  • Die ausländischen Direktinvestitionen nach Kanada stiegen im Jahr 2025 auf 96,8 Milliarden kanadische Dollar und erreichten damit den höchsten Stand seit 2007.
  • Die kanadische Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal 2026 um 3,3 Prozent, gestützt von höheren Exporten und mehr inländischen Investitionen.

Wie stark steigen Druck auf Jobs und Preise?

Die sichtbarste Folge des Zollkonflikts ist der Arbeitsmarkt. Nach Angaben der Bank of Canada gingen zwischen Januar 2025 und Januar 2026 in Kanada rund 55.000 Industriearbeitsplätze verloren. Der in Calgary ansässige Ökonom Trevor Tombe rechnet vor, dass die Gesamtzahl der Jobverluste landesweit auf 90.000 steigen könnte, falls die neuen US-Zölle dauerhaft bleiben.

Auch in den USA nimmt der Kostendruck zu. Das Center for American Progress erklärte, die von Trump gegen zahlreiche Handelspartner verhängten Zölle träfen Zehntausende Jobs in der Industrie, im Transport und in der Lagerhaltung. Die Tax Foundation schätzt, dass ein US-Haushalt in diesem Jahr wegen der Zölle im Schnitt 840 Dollar mehr zahlen könnte. Kanadas gezieltere Gegenmaßnahmen sollen die Belastung für Verbraucher begrenzen; Ökonomen warnen jedoch, dass teurere Industrievorleistungen aus den USA die Produktionskosten erhöhen könnten.

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