Welche Entscheidungen wurden in Tripolis getroffen?

Die Beziehungen zwischen Syrien und Libyen sind nach hochrangigen Gesprächen am Sonntag in Tripolis in eine neue Phase eingetreten. Der Ministerpräsident der international anerkannten Regierung Libyens, Abdul Hamid Dibeybe, und Syriens Außenminister Asaad Hassan al-Shaibani einigten sich darauf, die seit 14 Jahren geschlossene syrische Botschaft in Tripolis wieder zu öffnen.

Nach Angaben der libyschen Regierung der Nationalen Einheit (GNU) reiste al-Shaibani am Sonntag nach Tripolis und sprach dort mit libyschen Vertretern. Beide Seiten unterzeichneten zudem eine Vereinbarung zur Wiederbelebung des libysch-syrischen Gemeinsamen Hohen Ausschusses, der die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen auf Ebene der Regierungschefs koordiniert.

  • Die syrische Botschaft in Tripolis wird wieder geöffnet.
  • Syrien eröffnet ein Konsulat in Bengasi.
  • Der Gemeinsame Hohe Ausschuss nimmt seine Arbeit wieder auf.

Welche Themen standen im Mittelpunkt der Gespräche?

Sicherheit, Konsularfragen und humanitäre Themen

Laut GNU wurden bei dem Treffen auch die Sicherheitskooperation und die Terrorismusbekämpfung besprochen. Darüber hinaus ging es um Konsularleistungen sowie um die Lage von Gefangenen, Inhaftierten und Flüchtlingen in beiden Ländern.

Agenda zu Energie und Investitionen

Zu den wirtschaftlichen Themen zählten auch ungeklärte finanzielle Verpflichtungen zwischen libyschen und syrischen Institutionen. Der syrische Außenminister traf zudem Libyens Öl- und Gasminister sowie den Chef der staatlichen Investitionsbehörde, um über eine Zusammenarbeit in den Bereichen Energie und Investitionen zu sprechen.

Was steckt hinter der Normalisierung?

Die syrische Botschaft in Libyen war 2012 geschlossen worden, nachdem der damalige libysche Übergangsrat die syrische Opposition anerkannt hatte. Damit wurden unter der Herrschaft von Baschar al-Assad die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern unterbrochen.

In Syrien stürzten oppositionelle Kräfte im Dezember 2024 Assad und beendeten damit die 61-jährige Herrschaft der Baath-Partei. Im August 2025 hisste eine syrische Delegation auf dem Botschaftsgebäude in Tripolis die syrische Flagge der Zeit nach Assad und signalisierte damit, dass die Wiedereröffnung kurz bevorsteht.

Das politische Kräfteverhältnis in Libyen

Libyen ist seit 2014 zwischen der in Tripolis ansässigen Regierung der Nationalen Einheit und einer im Osten sitzenden Verwaltung unter Osama Hammad gespalten, die vom Militärführer Khalifa Haftar unterstützt wird. Am selben Tag unterzeichneten Vertreter der rivalisierenden libyschen Machtzentren eine Vereinbarung, die binnen zwei Jahren nationale Wahlen vorsieht.

Dibeybe bezeichnete das Treffen als

"neues Kapitel"
in den Beziehungen beider Länder. Der Schritt gilt als Entwicklung, die sowohl die diplomatische Präsenz zwischen Damaskus und Tripolis stärkt als auch lange offene Fragen wieder auf die Verhandlungsagenda bringt.