Jury-Entscheidung und erste Reaktionen im Gerichtssaal
In Malta ist Yorgen Fenech vom Vorwurf der Beteiligung an der Ermordung der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia sowie der Beihilfe zum Mord freigesprochen worden. Wie Reuters berichtet, fiel die Entscheidung der Jury nach acht Stunden Beratung mit 8 zu 1 Stimmen.
Der 44-jährige Geschäftsmann hatte während des gesamten Verfahrens alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Im Gerichtssaal in Valletta brachen nach der Urteilsverkündung Fenechs Angehörige in Jubel aus, während die Familie Caruana Galizias in Tränen ausbrach.
Hintergrund des Attentats und zentrale Vorwürfe im Verfahren
Daphne Caruana Galizia war über Malta hinaus für ihre Recherchen zu Korruption, Geldwäsche und Verbindungen zur organisierten Kriminalität bekannt. Die Journalistin veröffentlichte ihre Texte auf dem Blog Running Commentary und hatte auch zur Enthüllungsplattform der Panama Papers-Recherche von 2016 beigetragen.
Die Journalistin starb im Oktober 2017, als eine an ihrem Auto angebrachte Bombe explodierte. Im Prozess wurde der Jury der Vorwurf präsentiert, Fenech habe sie zum Schweigen bringen wollen, weil sie kurz davor gewesen sei, Informationen über ihn zu veröffentlichen.
Politische Verbindungen und Verteidigungslinie
Fenech, der zu Maltas wohlhabendsten Unternehmern zählt, war Eigentümer einer Firma, über die Caruana Galizia in ihren Texten Monate vor ihrem Tod berichtet hatte. Der Angeklagte lenkte im Verfahren die Verantwortung auf seinen früheren engen Freund Keith Schembri.
Schembri war der Generalsekretär des damaligen Ministerpräsidenten Joseph Muscat und gehörte zu den Namen, die in den Recherchen der Journalistin auftauchten. Die Polizei teilte dem Gericht mit, Schembri sei nie verdächtig gewesen; auch er selbst wies jede Beteiligung am Mord zurück. Muscat wurde zwar nicht mit dem Mord in Verbindung gebracht, trat aber nach den politischen Folgen des Attentats im Januar 2020 zurück.
Frühere Verurteilungen und Stellungnahme der Familie
Die Justiz in Malta hatte zuvor bereits weitere Männer im Zusammenhang mit dem Mord verurteilt.
- 2022 wurden die Brüder George und Alfred Degiorgio wegen des Mordes an Caruana Galizia zu jeweils 40 Jahren Haft verurteilt.
- 2025 wurden Robert Agius und Jamie Vella wegen der Beschaffung der Bombe zu lebenslanger Haft verurteilt.
Die Familie Caruana Galizias erklärte gegenüber lokalen Medien, die institutionellen Versäumnisse, die die Tötung der Journalistin möglich gemacht hätten, seien weiterhin nicht behoben. Für „dauerhafte Gerechtigkeit“ müsse verhindert werden, dass ähnliche Risiken jemals wieder jemandem widerfahren.
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