Warum nimmt die Staatsanwaltschaft den Fall erneut auf?
Im US-Bundesstaat New York wurde die Ermittlung wegen eines mutmaßlichen sexuellen Übergriffs an der Cornell University wieder aufgenommen. Tompkins County Prosecutor Matthew Van Houten teilte mit, dass die strafrechtliche Prüfung zu einem Vorfall aus dem Jahr 2024, bei dem eine Studentin betroffen gewesen sein soll, erneut angelaufen sei und der Fall einer Grand Jury vorgelegt werde, sobald geeignete Anklagepunkte feststünden.
Die Staatsanwaltschaft hat sich in dieser Phase mit den Anwälten der Frau, die in Gerichtsunterlagen als Jane Doe geführt wird, in Verbindung gesetzt, um zusätzliche Informationen auszutauschen. Van Houten sagte, die erste Bewertung nach dem Vorfall habe ergeben, dass die 2024 bei den Behörden abgegebene Aussage die rechtliche Schwelle für eine strafrechtliche Anklage nicht erfülle.
Welche Vorwürfe enthält die Zivilklage?
Nach der am 16. September eingereichten Zivilklage wurde die Frau in der Nacht vom 19. Oktober 2024 in einem Umfeld mit Alkohol und Ketamin im Chi-Phi-Verbindungshaus an der Cornell University von mehreren Männern angegriffen. In der Klageschrift heißt es, sie sei damals betrunken gewesen und nicht einwilligungsfähig; die Anzeige bei der Campuspolizei sei am 8. November 2024 erfolgt.
Die Akte enthält zudem ein Bild, das aus einem Snapchat-Gruppenchat stammen soll. Demnach habe ein Teilnehmer die übrigen Mitglieder in der Chatgruppe in derben Worten vor einer möglichen sexuellen Begegnung mit Jane Doe gewarnt.
Wo gehen die Darstellungen von Staatsanwaltschaft und Opferseite auseinander?
Van Houten sagte, die im November 2024 bei der Universitäts- bzw. Campuspolizei abgegebene eidesstattliche Aussage habe sich nicht mit den Vorwürfen in der Zivilklage gedeckt. Nach Angaben des Staatsanwalts sei in der ersten Schilderung nicht davon die Rede gewesen, dass die Betroffene gegen ihren Willen unter Drogen gesetzt oder vergewaltigt worden sei; die Anwälte des Opfers argumentieren hingegen, ihre Mandantin habe das Geschehen nach dem Trauma zunächst nicht sofort einordnen können und die Ermittlungen seien nicht ausreichend vertieft worden.
Im US-Rechtssystem prüft eine Grand Jury die vom Staatsanwalt vorgelegten Beweise und Zeugen und entscheidet, ob genügend Grundlage für eine Strafanklage besteht. Van Houten räumte zudem ein, dass es bei Opfern sexueller Gewalt mitunter Jahre dauern könne, bis sie das Erlebte vollständig verarbeiten und schildern können.
Welche Maßnahmen hat Cornell angekündigt?
Cornell University erklärte, sie unterstütze die Vorlage des Falls vor eine Grand Jury und weise zugleich den Vorwurf zurück, gegen beteiligte Personen seien keine wirksamen Maßnahmen ergriffen worden. Die Universität teilte mit, ein Gremium aus geschulten Lehrkräften und Mitarbeitern habe den Fall geprüft; zu den Sanktionen gehörten auch Exmatrikulationen und Suspendierungen.
- Die lokale Sektion der Chi-Phi-Verbindung sei suspendiert worden,
- gegen einige Studierende seien Disziplinarmaßnahmen eingeleitet worden,
- und es sei eine interne Untersuchung nach Title IX sowie eine Prüfung im Rahmen des Bürgerrechtsverfahrens begonnen worden.
Die Universität wies zudem den Vorwurf zurück, den genannten Personen sei lediglich das Schreiben eines Essays auferlegt worden. Der Anwalt eines der im Verfahren genannten Männer erklärte ebenfalls, sein Mandant habe lediglich einen unreifen Kommentar auf Snapchat abgegeben, sei an keiner sexuellen Handlung beteiligt gewesen und habe kein Ketamin konsumiert; die Vorwürfe wies er zurück. Die Zivilklage und die wiederaufgenommenen Ermittlungen haben in den USA breite Aufmerksamkeit ausgelöst.
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