Warum steht das Triple-Lock-System wieder im Fokus?
In Großbritannien wird die Zukunft des als Triple Lock bekannten Mechanismus zur Erhöhung der staatlichen Rente nach dem Sonntagsinterview des Premierministers bei der BBC wieder kontrovers diskutiert. Die Suche der Regierung nach neuen Mitteln für einen nationalen Sozialpflegedienst nährt die Spekulation, dass ein bislang politisch nahezu unantastbares System in der nächsten Legislaturperiode geändert werden könnte.
Die Regelung sieht vor, dass die staatlichen Renten jedes Jahr im April um mindestens 2,5 Prozent steigen oder alternativ in Höhe des jeweils höheren Werts aus Preis- oder Lohnentwicklung angepasst werden. Nach Einschätzung aus dem Umfeld der Debatte könnte das Modell theoretisch am Ende des laufenden Parlaments auslaufen.
Wie groß ist die Belastung für den Haushalt und was bedeutet das für die Märkte?
Aus der Labour-Partei hieß es, Andy Burnham werde die schwierigen Entscheidungen zur Finanzierung eines neuen nationalen Pflegedienstes in das Wahlprogramm für die nächste Parlamentswahl aufnehmen und dafür im neuen Parlament ein Mandat anstreben. Auf die Frage von BBC News nach einer möglichen Änderung des Systems antwortete Finanzminister John Healey, man müsse die Kosten des Sozialstaats senken.
Ökonomen und einige frühere Minister argumentieren, dass schon das Auslaufen oder eine künftige Änderung des Systems an den Anleihemärkten ein Signal fiskalischer Disziplin senden könnte, wo hoch verschuldete Staaten unter Druck stehen. Auch die Wahrnehmung, dass Großbritannien schwierige langfristige Entscheidungen immer wieder aufschiebt, gehört zu den wirtschaftlichen Dimensionen der Debatte.
Die jährlichen Kosten, die inzwischen bei 15,5 Milliarden Pfund liegen, sollen sich gegenüber den ersten Schätzungen für 2030 etwa verdreifacht haben. Ausschlaggebend für das schnellere Wachstum der Last sind vor allem die Schwankungen bei Preisen und Löhnen.
Wovon hängen mögliche Einsparungen ab?
Nach Einschätzung von Beobachtern könnte eine Kopplung des Systems allein an die Lohnentwicklung langfristig jährlich zig Milliarden Pfund einsparen. Ob sich damit jedoch die Sozialpflege tatsächlich in ausreichendem Maße finanzieren lässt, hängt von mehreren Faktoren ab: vom Umfang des neuen Plans, davon, wie großzügig die Ersatzformel für den Triple Lock ausfällt, und direkt von der Entwicklung von Inflation und Löhnen.
- Wie breit der nationale Pflegedienst angelegt wird
- Auf welchem Niveau die Ersatzregel für den Triple Lock liegt
- Wie stark Inflation und Löhne langfristig schwanken
Warum gilt das politische Risiko als hoch?
In Westminster wird zwar darauf verwiesen, dass die von George Osborne eingeführte Politik wirtschaftlich kaum tragfähig sei. Gleichzeitig heißt es aber, ein Rückzug wäre politisch äußerst heikel, weil die Einkommenssicherheit der Rentnerinnen und Rentner berührt wäre. Organisationen, die sich für Rentner einsetzen, betonen zudem, dass die staatliche Rente in Großbritannien trotz der Erhöhungen international keineswegs besonders großzügig sei.
Einige frühere Minister halten dagegen, dass die Umleitung von Einsparungen bei den Renten in Sachleistungen der Sozialpflege die Debatte grundlegend verändern könnte. Eine endgültige Entscheidung hat die Regierung zwar noch nicht bekannt gegeben, doch es wird bereits darüber gesprochen, dass diese früher politisch undenkbar erscheinende Option nun offen geprüft wird.
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