Neue Maßnahme nach Teufelsrad-Aufnahmen

Auf dem Oktoberfest in München haben Aufnahmen vom historischen Fahrgeschäft Teufelsrad die Debatte über Privatsphäre auf dem Volksfest neu entfacht. Nach Angaben des Betreibers werden angesichts von Videos, die in sozialen Medien kursieren und teils millionenfach gesehen wurden, inzwischen mindestens 32.000 Clips diskutiert. Als Reaktion verteilt der Betreiber Frauen nun kostenlose Radshorts.

Das Teufelsrad ist als kreisförmige Anlage bekannt, bei der die Mitfahrenden mit zunehmender Geschwindigkeit das Gleichgewicht verlieren und von der Plattform fallen. Vor allem bei Frauen in traditioneller Dirndl-Kleidung wird das Hochwirbeln des Rocks für Menschen mit dem Smartphone in der Menge zu einem Anlass für Missbrauch.

Das Gesetz existiert, die Kritik bleibt

In Deutschland ist das Filmen unter den Rock strafbar und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet werden. Josephine Ballon, Geschäftsführerin der deutschen Organisation Hate Aid, die Opfer digitaler Gewalt unterstützt, kritisiert jedoch, dass die Regelung nur direkte Aufnahmen unter dem Rock erfasse und bei Bildern, die durch einen hochfliegenden Rock entstünden, zu wenig Schutz biete. Ballon weist zudem darauf hin, dass neue Technologien wie Kamera-Brillen zusätzliche Risiken schafften.

Die bayerische Polizei teilte mit, dass sie seit 2025 auf dem Festgelände Warnplakate auf Deutsch und Englisch einsetzt. In diesem Jahr sei ein 45-jähriger Schweizer festgenommen worden, dem vorgeworfen wird, unter das Dirndl einer Deutschen gefilmt zu haben; im vergangenen Jahr habe es 10 entsprechende Festnahmen gegeben, 2024 sieben.

Betreiber und Personal greifen vor Ort ein

Elisabeth Polaczy, die das Teufelsrad betreibt, sagte, sie gebe seit drei Jahren Frauen und Mädchen, die Kleider tragen, kostenlose Shorts. In diesem Jahr habe sie auf dem Fest mehr als 100 Shorts verteilt, erklärte die 80-Jährige der BBC. „Ich will alles tun, damit sich die Menschen sicher fühlen“, sagte sie.

  • Im Zelt hängen Hinweis-Schilder auf Deutsch und Englisch, die darauf aufmerksam machen, dass das Filmen unter den Rock eine Straftat ist.
  • Einige Servicekräfte sollen zudem begonnen haben, selbst Radhosen unter ihren Dirndln zu tragen.

Polaczy betont, dass es faktisch unmöglich sei, in einer Menschenmenge alle zu kontrollieren, die mit dem Smartphone filmen. Deshalb sei die Ausgabe von Shorts als praktische Schutzmaßnahme derzeit die sichtbarste Lösung des Betreibers.

Geld mit sozialen Medien und neue Drehregeln

Nach Angaben des lokalen Senders BR wurden hinter den betreffenden Videos professionelle YouTuber aus der Ukraine sowie einige Personen aus Bayern identifiziert. BR berichtete außerdem von einer Frau, die mit nur einem Clip 9.000 Euro verdient habe. Zudem steht der Vorwurf im Raum, einige Aufnahmen seien digital verändert worden, um Frauen nackt erscheinen zu lassen.

Die Stadt München hat unterdessen die Regeln für Influencer und Content-Creator verschärft, die mit Beiträgen in sozialen Medien Geld verdienen. Livestreams vom Fest sind verboten, wer filmen will, braucht gegen Gebühr eine Genehmigung der Stadt. In diesem Jahr wurden Lizenzen für Hunderte Influencer vergeben, die Einnahmen über Produktplatzierungen oder Sponsoring erzielen.