In der Partie auf neutralem Platz rückten Protestbilder in den Vordergrund

Das Spiel Irland gegen Israel in der UEFA Nations League Gruppe 3B wurde im serbischen Backa Topola ohne Zuschauer auf neutralem Platz ausgetragen. Vor dem Anpfiff trugen die irischen Fußballer schwarze Trauerbinden zum Gedenken an die in Gaza getöteten Palästinenser und senkten während der israelischen Nationalhymne den Kopf. Irlands Torhüter Caoimhin Kelleher schüttelte bei der Zeremonie zudem dem israelischen Kapitän Dor Peretz nicht die Hand.

Die Geste wiederholte die Szenen aus dem ersten Aufeinandertreffen in der vergangenen Woche im ungarischen Debrecen. Auch dort hatte Irlands Kapitän Dara O’Shea dem israelischen Kapitän Manor Solomon den Handschlag verweigert. Da O’Shea wegen der Geburt seines Kindes nicht im Kader stand, trug Kelleher diesmal die Kapitänsbinde.

Wie entwickelte sich das Ergebnis?

Irland ging in der 39. Minute durch einen verwandelten Elfmeter von Troy Parrott in Führung. Der Strafstoß war nach einem Foul von Dor Peretz an Jimmy Dunne verhängt worden. In der Halbzeit kam es beim Gang der Spieler in die Kabinen kurzzeitig zu Spannungen am Spielfeldrand; der Schiedsrichter griff ein und verhinderte eine Eskalation.

Israel schlug direkt zu Beginn der zweiten Halbzeit zurück. Peretz glich in der 47. Minute aus kurzer Distanz zum 1:1 aus und sicherte seiner Mannschaft damit den Punkt.

Boykottforderungen und Entscheidung des Verbandes sorgen für Diskussionen

Ursprünglich sollte die Partie in Dublin stattfinden. Doch der Irische Fußballverband (FAI) verlegte die Begegnung im Juni aus operativen Gründen auf einen neutralen Platz und kündigte an, dass die Tribünen geschlossen bleiben würden. Hintergrund waren wachsende Boykottaufrufe im Land wegen des Krieges in Gaza.

Die FAI hatte bereits im November zuvor einen Antrag bei der UEFA eingebracht, der den Ausschluss Israels von Vereins- und Nationalmannschaftswettbewerben forderte. Zugleich argumentierte der Verband, dass ein Nichtantreten UEFA-Sanktionen nach sich ziehen könnte. Irland wird gemeinsam mit England, Wales und Schottland die Fußball-Europameisterschaft 2028 ausrichten.

  • Mehr als 160 irische Sportler unterzeichneten einen offenen Brief, in dem sie die FAI aufforderten, ihre Entscheidung zu überdenken.
  • Vor dem Teamhotel in Dublin kam es zu Protesten; die Gewerkschaft SIPTU hängte in der Innenstadt ein großes Banner auf, das die Spieler zu Gewissensentscheidungen aufrief.
  • Ersatztorhüter Gavin Bazunu entschied sich aus persönlichen Glaubensgründen, nicht in den beiden Spielen gegen Israel eingesetzt zu werden.

Neue Vorwürfe vor dem Spiel und Zurückhaltung des Senders

Für zusätzliche Spannung sorgte die Behauptung eines israelischen Journalisten in der Pressekonferenz vor dem Spiel, irische Spieler hätten ihre Gegner in der Vorwoche beleidigt. Die irische Seite wies den Vorwurf umgehend zurück, woraufhin die Pressekonferenz beendet wurde. Schon vor dem ersten Spiel in Debrecen hatte es langwierige Gespräche im Team gegeben; auch Pressekonferenz und Training verzögerten sich um Stunden. Schließlich soll die Mannschaft per Abstimmung beschlossen haben, anzutreten.

Der irische öffentlich-rechtliche Sender RTÉ übertrug die beiden Spiele gegen Israel nur in dem Umfang, der zur Erfüllung der vertraglichen Pflichten nötig war. Auf ein Studioformat, Analysen, Live-Kommentar für die internationale Übertragung sowie Werbe- und Sponsoringelemente verzichtete der Sender. Auch beim 2:2 gegen Österreich am Donnerstag wurden Tennisbälle mit Palästina-Flaggen auf den Rasen geworfen; zudem versuchte eine Person, mit einer palästinensischen Flagge das Spielfeld zu betreten.