Erste Quartalszahlen übertreffen die Erwartungen
Indiens Wirtschaft ist im ersten Quartal des am 30. Juni beendeten Geschäftsjahres um 7,8 Prozent gewachsen. Die offiziellen Daten lagen damit über der Markterwartung von 7,1 Prozent und deuten darauf hin, dass sich die Binnennachfrage und die Widerstandsfähigkeit im Dienstleistungssektor fortsetzen.
Die Wachstumsrate lag damit auf dem gleichen Niveau wie der Anstieg von 7,8 Prozent im vorangegangenen Quartal. Den am Montag veröffentlichten Daten zufolge blieb das Plus in der Landwirtschaft und den damit verbundenen Bereichen begrenzt, während sich in der Industrie und bei den Dienstleistungen eine deutliche Erholung zeigte.
Welche Sektoren trieben das Wachstum?
Das Ministerium für Statistik und Programmdurchführung Indiens teilte mit, dass im ersten Quartal vor allem mehrere Dienstleistungsbereiche hervorstachen. Zu den wichtigsten Wachstumstreibern zählten:
- Finanzdienstleistungen
- Immobilienaktivitäten
- Informationstechnologie
- Professionelle Dienstleistungen
Das zeigt, dass die Wirtschaft trotz der Schwäche in der Landwirtschaft ihre Dynamik dank eines breiteren Fundaments aus Dienstleistungs- und Industrieaktivitäten halten konnte. Auch die stärkere Industrieproduktion deutet darauf hin, dass das Wachstum nicht allein vom Dienstleistungssektor getragen wurde.
Was sagen Hochfrequenzindikatoren?
Laut Aastha Gudwani, Chefökonomin für Indien bei Barclays, hat der Krieg zwischen Iran und Israel das Wachstum zunächst nicht so stark belastet, wie befürchtet worden war. Von den 20 beobachteten Hochfrequenzindikatoren des Instituts zeigten im Durchschnitt von April bis Juni nur sieben eine Abschwächung gegenüber dem Vorquartal; die Verbrauchernachfrage, die Autoverkäufe und das Kreditwachstum blieben dagegen robust.
Risiken: Inflation, Energiepreise und Monsun
Die Reserve Bank of India (RBI) hatte Anfang des Monats erklärt, die Wirtschaft bleibe gegenüber geopolitischen Unsicherheiten widerstandsfähig, zugleich werde aber mit einer Abschwächung des Wachstums im laufenden Geschäftsjahr gerechnet. Die Zentralbank erwartet für das im Juni beendete Quartal ein Wachstum von 7,0 Prozent und für das gesamte Geschäftsjahr bis Ende März ein Plus von 6,7 Prozent.
Nach Einschätzung der RBI bergen das volatile globale Umfeld, die anhaltend hohen Energiepreise und Lieferkettenprobleme weiter Risiken für die heimische Wirtschaft. Zudem könnte El Niño die südwestlichen Monsunregen schwächen oder unregelmäßig machen, was die Landwirtschaft und die Nachfrage im ländlichen Raum belasten würde.
Der Kostendruck bei Energie schlägt inzwischen auch auf die Preise durch. Die Inflation stieg im Juli den neunten Monat in Folge auf 4,45 Prozent. Dennoch verzichtete die RBI bei ihrer Sitzung im August im Unterschied zu einigen anderen asiatischen Zentralbanken auf eine Zinserhöhung.
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