Öffentliche Übernahme für Avanti West Coast beschlossen

Die Zugverbindungen von Avanti West Coast in Großbritannien sollen nach Angaben der Regierung im kommenden März in öffentliches Eigentum übergehen. Verkehrsministerin Heidi Alexander erklärte, der Schritt erfolge nach lang kritisierten Leistungsproblemen und sei Teil eines Plans, die Bahninfrastruktur zu stärken, Verspätungen zu verringern und das Fahrgasterlebnis zu verbessern.

Der bestehende Vertrag von Avanti sollte am 7. März auslaufen. Der Geschäftsführer des Unternehmens, Andy Mellors, sagte, man habe in den vergangenen sechs Jahren unter anderem die Flotte modernisiert und das Angebot ausgeweitet. In den kommenden Monaten werde man gemeinsam mit der Regierung an einem reibungslosen Übergang arbeiten.

Finanzieller Rahmen und Beteiligungsstruktur

DfT-Verträge haben das Geschäftsmodell privater Betreiber verändert

Avanti West Coast wird in einer Partnerschaft von FirstGroup und dem italienischen Staatsbahnunternehmen Trenitalia betrieben. In dieser Struktur hält FirstGroup einen Anteil von 70 %, Trenitalia 30 %.

Die finanzielle Struktur des Unternehmens wird jedoch seit den Verträgen mit dem Verkehrsministerium (DfT, Department for Transport) maßgeblich von staatlichen Entscheidungen geprägt, die zu Beginn der Covid-19-Pandemie im März 2020 eingeführt wurden. Die Regierung führt alle unter DfT-Verträgen betriebenen Zugdienste schrittweise in öffentliches Eigentum über. Damit ist die Entscheidung zu Avanti nicht nur operativ, sondern auch Teil einer umfassenderen Neuordnung des Marktes.

Sparschritt im Mai hatte Aufmerksamkeit erregt

Das Unternehmen hatte im Mai angekündigt, auf seinen meistbefahrenen Strecken jeden siebten Zug zu streichen, nachdem die Regierung zu Einsparungen aufgefordert hatte. Avanti ging davon aus, dass die Änderung für Fahrgäste nur geringe Auswirkungen haben und keine Einbußen bei den Einnahmen verursachen werde.

Verstaatlichung im Bahnmarkt weitet sich aus

Die Entscheidung zu Avanti zeigt, dass der staatliche Einfluss im britischen Bahnmarkt zunimmt. Vor allem für FirstGroup bedeutet dies weitere Veränderungen, da für eine andere große Linie im Portfolio, die Great Western Railway, im Dezember ebenfalls ein ähnlicher Übergang geplant ist.

  • Great Western Railway soll im Dezember in öffentliches Eigentum übergehen.
  • Great Anglia und South Western Railway werden bereits staatlich betrieben.
  • Die Zugdienste in Wales wurden 2021 verstaatlicht, die in Schottland im darauffolgenden Jahr.

Das zeigt, dass die Regierung im Bahnnetz auf ein stärker zentralisiertes Modell setzt, um die Servicequalität zu verbessern. Für die Fahrgäste bleibt die entscheidende Frage, ob die Rückführung in staatliche Hand nachweisbare Fortschritte bei Ausfällen, Verspätungen und Überlastung bringt.