Parlament fordert HMRC zur Prüfung der steuerlichen Dimension auf

HMRC (britische Steuerbehörde) gerät nach der Entscheidung der unabhängigen Kommission zu Manchester City unter neuen Prüfungsdruck. Dame Meg Hillier, Vorsitzende des parteiübergreifenden Treasury Committee im britischen Parlament, schrieb an die Steuerbehörde und bat angesichts des öffentlichen Interesses um eine sorgfältige Bewertung der steuerlichen Folgen des Falls.

Der Schritt folgt auf das Urteil der unabhängigen Kommission, die Manchester City für schuldig befand, zwischen den Saisons 2009/10 und 2017/18 gegen die Finanzregeln der Premier League verstoßen zu haben. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass der Klub mit Unterstützung seiner Eigentümer über bestimmte Sponsoringverträge seine Einnahmen künstlich aufgebläht und Mechanismen genutzt habe, um das tatsächliche Ausmaß einzelner Verpflichtungen zu verschleiern.

Der Treasury Committee fragte HMRC insbesondere, ob die im Kommissionsbericht geschwärzten Dokumente angefordert worden seien. Hillier erklärte, sie erwarte von der Steuerbehörde die Zusicherung, dass die Relevanz dieser Punkte erkannt worden sei.

Zahlen deuten auf mögliches Steuerdefizit hin

Am auffälligsten auf der Steuerseite ist ein externes Gutachten der Beratungsfirma Tax Policy Associates. Dem Bericht zufolge könnte der Klub durch einen als „falsch“ bezeichneten Vertrag mit dem früheren Trainer Roberto Mancini Steuern in Höhe von bis zu 12 Millionen Pfund zu wenig gezahlt haben.

Unter Einbeziehung möglicher Strafen bei Einkommensteuer und National Insurance könnte die Gesamtschuld demnach auf 24 Millionen Pfund steigen. Das im Vorwurf der Premier League genannte Ausmaß der verdeckten Finanzierung wurde mit 830,69 Millionen Pfund beziffert.

  • Mögliche zu wenig gezahlte Steuern: 12 Millionen Pfund
  • Geschätzte Gesamtschuld inklusive Strafen: 24 Millionen Pfund
  • Umfang der umstrittenen Vorwürfe zur verdeckten Finanzierung: 830,69 Millionen Pfund

Einspruch bringt Sponsoring-Finanzierung erneut auf den Tisch

Manchester City weist die Vorwürfe weiterhin zurück und plant nach Angaben aus dem Umfeld des Klubs, bis Freitag Berufung einzulegen. In der Verteidigung will der Klub offenbar Belege dafür vorlegen, dass bei mehreren wichtigen Sponsoringdeals nicht die Eigentümerstruktur über die Abu Dhabi United Group, sondern die Regierung von Abu Dhabi als Geldgeber aufgetreten sei.

Die Regeln der Premier League erlauben staatlich verbündeten Institutionen grundsätzlich, Vereine zu sponsern. Die unabhängige Kommission akzeptierte diese Darstellung jedoch nicht und kam zu dem Schluss, sie solle die wahre Natur eines verdeckten Finanzierungsmodells verschleiern.

Die finanziellen Folgen des Verfahrens bleiben nicht auf das Steuer-Risiko beschränkt. Der Fall hat in der Sportökonomie in England eine neue Debatte darüber ausgelöst, wie Sponsoringerlöse klassifiziert werden, wie Unterstützung aus dem Eigentümerumfeld zu melden ist und wie weit die regulatorische Kontrolle bei Fußballvereinen gehen kann. Auch der Hauptsponsor Etihad Airways erklärte, die veröffentlichten Erkenntnisse schadeten dem Unternehmen und man prüfe rechtliche Schritte.