"""

Europas Erdgasspeicher auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren

Der europäische Erdgas-Markt steht vor dem Winter erneut unter Druck. Nach Einschätzung von CNBC hat der höhere Strombedarf in den heißen Sommermonaten die Speicherbestände gedrückt, sodass das Lagerniveau der Europäischen Union im Fünfjahresvergleich der Schweizer Bundesbehörde für Energie auf den niedrigsten Stand gefallen ist.

Dem Bericht zufolge zeigt sich vor allem Deutschland im Vergleich zum EU-Durchschnitt etwas schwächer, auch Frankreich steht unter ähnlichem Druck. Obwohl Klimaanlagen in Europa nicht so verbreitet sind wie in den USA, habe die Rekordhitze die Nachfrage nach Kühlung erhöht und damit den Erdgasverbrauch in der Stromerzeugung steigen lassen.

Die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten betonen zwar weiterhin, dass die Gasversorgung stabil sei, doch am Markt sei neben den Speicherständen vor allem die Preisbildung der entscheidende Faktor. Laut dem Bericht spielt dabei die LNG-Ausfuhr aus den USA eine zentrale Rolle für die Stabilität.

Wie wirken sich Preise und Beschaffungskosten auf den Markt aus?

An der ICE-Börse seien die an Europas Gasmarkt gehandelten Kontrakte mit Lieferung im Oktober mehr als doppelt so teuer gewesen wie die Futures mit Fälligkeit im Februar. Für Energieunternehmen, die auf Käufe am freien Markt angewiesen sind, bedeutet das sowohl höhere Rohstoffkosten als auch steigenden Frachtdruck im LNG-Transport.

Auch der Wettbewerb Europas mit Asien um Spot-LNG-Ladungen erhöht das Preisrisiko. Marktteilnehmer bereiten sich darauf vor, für die Beschaffung der Mengen zur Deckung von Heiz- und Stromnachfrage im Winter höhere Preise zahlen zu müssen.

Nur begrenzte Entlastung an der Ölfront

Am Ölmarkt zeichnete sich dagegen ein vergleichsweise freundlicheres Bild ab. Goldman Sachs teilte mit, dass sich die Exporte aus dem Golf von Mexiko nach einer Verdopplung im September wieder auf den Durchschnitt von 2025 eingependelt hätten. Die Bank erwartet, dass sich Brent-Öl bis zum Jahresende auf etwa 85 US-Dollar je Barrel zubewegt. Das könnte die Energiekosten für Europa zwar etwas dämpfen, ändert aber nichts an den Risiken im Gasbereich.

Welche Energieunternehmen stehen im Fokus?

Die steigenden Erwartungen an die Gaspreise haben auch die Analystenkommentare zu Energieaktien beschleunigt. Im Bericht werden die US-LNG-Exporteure Cheniere Energy und Venture Global als auffällige Namen genannt, während mit TotalEnergies und Shell große, eng mit Europa verbundene Anbieter hervorgehoben wurden.

  • HSBC hob die Empfehlung für BP und TotalEnergies auf „Kaufen“ an.
  • Die Bank erhöhte ihre Prognose für die europäischen Erdgaspreise für den Rest des Jahres um 34 % und für das kommende Jahr um 40 %.
  • HSBC behielt zudem ihre positive Einschätzung für Shell, Repsol und Chevron bei.

JPMorgan stufte außerdem die BP-Aktie höher ein. In dem Bericht heißt es, das Potenzial des Unternehmens für operative Vereinfachung und eine Rückkehr zu langfristigem Wachstum könnte für Anleger neu bewertet werden.

Kurz gesagt: Die Sorgen um das Erdgas-Gleichgewicht in Europa vor dem Winter beeinflussen nicht nur die Energierechnungen, sondern auch die Börsenentwicklung von Unternehmen entlang der LNG-Lieferkette unmittelbar.

"""