Wechselszenario auf der Agenda des Verwaltungsrats
Goldman Sachs hat in diesem Jahr im Bereich Fusionen und Übernahmen bei Transaktionen im Volumen von mehr als 1 Billion US-Dollar beraten und in den ersten sechs Monaten die Schwelle von 12 Milliarden US-Dollar bei den Erlösen aus dem Aktiengeschäft überschritten. Dennoch ist bei der Bank eine Debatte über einen möglichen CEO-Wechsel entbrannt. Nach Angaben des Wall Street Journal erwägt der Verwaltungsrat, den 64-jährigen CEO David Solomon bereits im kommenden Jahr an den 57-jährigen Präsidenten John Waldron zu übergeben; auch eine Rolle Solomons als Executive Chairman steht demnach im Raum.
Dem Bericht zufolge könnte dieses Übergangsmodell in den kommenden Monaten dem Verwaltungsrat zur Abstimmung vorgelegt werden. Ein Bankensprecher, Tony Fratto, sagte jedoch, es gebe keinen festgelegten Zeitplan für die Nachfolge; Verwaltungsräte prüften routinemäßig kurzfristige, mittelfristige und langfristige Szenarien.
Die starke Entwicklung macht die Debatte komplizierter
Brisant an dem möglichen Wechsel ist vor allem die finanzielle Erholung unter David Solomon. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2018 legten die Aktien von Goldman laut Daten des Wells-Fargo-Analysten Mike Mayo um mehr als 300 Prozent zu; damit lag die Bank auf Platz zwei im Vergleich zum KBW Bank Index.
Nach einem frühen Vorstoß in das Privatkundengeschäft änderte Solomon die Strategie wieder zugunsten des Investmentbankings. Auch der von der Trump-Regierung befeuerte Deal-Markt und die durch Künstliche Intelligenz ausgelöste Dynamik an den Kapitalmärkten halfen dabei, Goldman bei Investoren erneut als klarere Investmentbank zu positionieren.
- Volumen der M&A-Beratung: mehr als 1 Billion US-Dollar
- Erlöse aus dem Aktiengeschäft in den ersten sechs Monaten: mehr als 12 Milliarden US-Dollar
- Aktienentwicklung unter Solomon: mehr als 300 Prozent Plus
Das eigentliche Risiko könnte Waldrons Ungeduld sein
Nach Einschätzung von Experten liegt das Kernproblem für Goldman Sachs im Timing: Der Verwaltungsrat muss einen erfolgreichen CEO nicht zu früh ziehen lassen, während der designierte Nachfolger nicht zu lange warten will. Solomons Macht als Verwaltungsratschef und seine Bedeutung innerhalb der Bank sprechen dagegen, dass er sich ohne Weiteres zurückdrängen lässt. Zugleich hat er wenig Anreiz, allzu früh einen Abschied anzudeuten, weil das seine Autorität schwächen könnte.
Auf der anderen Seite steht John Waldron. Der Präsident und Chief Operating Officer von Goldman soll bereits Gespräche über Spitzenpositionen bei den alternativen Vermögensverwaltern Apollo und Carlyle geführt haben. Um ihn zu halten, hat die Bank ein 80-Millionen-Dollar-Bindungspaket bis 2030 geschnürt.
Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass finanzstarke Wettbewerber mit neuen Angeboten an ihn herantreten. Für Goldman ist das Thema daher nicht nur ein Personalwechsel, sondern auch eine Frage der Unternehmensführung, der Bindung von Führungskräften und der Frage, wie die Dynamik an der Wall Street gehalten werden kann.
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