Neue Preissteigerung bei Energierechnungen rückt in den Fokus

In Großbritannien gerät der Druck auf die Energierechnungen mit dem nahenden Winter erneut in den Mittelpunkt. Der Branchenverband Energy UK hat die Regierung zu raschem Handeln aufgefordert und darauf hingewiesen, dass nach der im Oktober in Kraft getretenen Erhöhung im Januar ein noch deutlicherer Aufschlag drohen könnte. Bleibe ein Eingreifen jetzt aus, könne dies zu einer länger anhaltenden und kostspieligeren Krise führen, so der Verband.

Etwa 20 Millionen Haushalte mit variablen Tarifen, die an die Preisobergrenze der britischen Energieregulierungsbehörde Ofgem gebunden sind, waren von der Anfang Oktober wirksam gewordenen Erhöhung um 4 % betroffen. Dadurch stieg die Jahresrechnung für einen typischen Haushalt mit Strom und Erdgas um rund 60 Pfund auf 1.723 Pfund. Die monatliche Mehrbelastung wurde auf etwa 5 Pfund geschätzt.

Prognose für Januar schürt Sorgen am Markt

Das Beratungsunternehmen Cornwall Insight erwartet, dass die typische Jahresrechnung im Januar auf 1.999 Pfund steigen könnte. Diese Prognose deutet auf eine mögliche Verteuerung der Haushaltsenergiekosten um 16 % im neuen Jahr hin und hat die Markterwartungen nach oben getrieben.

Energy UK verwies zwar auf Schritte der Regierung wie die Senkung der Mehrwertsteuer auf Stromrechnungen und die Umlegung oder Abschaffung bestimmter Zusatzkosten im Laufe des Jahres, erklärte jedoch, dass diese Entlastung angesichts der hohen Großhandelspreise für Energie weitgehend wieder aufgezehrt worden sei. Nach Angaben des Verbands trugen auch die Konflikte im Nahen Osten sowie Störungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zum Kostendruck bei.

Schuldenlast steigt, Branche fordert gezielte Hilfen

Dhara Vyas sagte, der Anstieg der Kundenschulden verschärfe den Handlungsdruck. Nach Angaben von Energy UK schlagen die aufgelaufenen Schulden derzeit mit durchschnittlich 67 Pfund zusätzlich auf die Rechnungen der Verbraucher durch.

Premierminister Andy Burnham erklärte, die Regierung prüfe jede Möglichkeit, um den Druck auf die Haushalte zu mindern. Auch EDF-Energy-Chef Simone Rossi warnte, Großbritannien steuere auf eine „zweite Energiekrise“ zu.

Die wichtigsten Forderungen der Branche an die Regierung

  • Gezielte zusätzliche Unterstützung für bedürftige Haushalte über den 150-Pfund-Zuschuss aus dem Warm Home Discount hinaus
  • Ein Programm zum Schulderlass für die am stärksten betroffenen Haushalte
  • Eine stärkere Verlagerung von Kosten aus den Stromrechnungen in das Steuersystem

Auch Adam Scorer, Leiter der Kampagne gegen Kraftstoffarmut bei der Hilfsorganisation National Energy, schloss sich der Einschätzung an. Das Problem sei nicht nur, dass mehr Menschen Schulden machten, sagte Scorer, sondern dass einkommensschwache Haushalte in noch höhere Schuldenstände gedrängt würden.