Warum die Kostenschwelle bei Solarstrom wichtig ist
Solarstrom hat einer neuen Analyse von Ember zufolge für die Erzeugung der gleichen Strommenge inzwischen keinen höheren Vorab-Investitionsnachteil mehr gegenüber Kohle- und Gaskraftwerken. Dieser Wandel deutet darauf hin, dass eines der stärksten Finanzierungsargumente zugunsten fossiler Brennstoffe seit Jahren an Gewicht verliert.
Für die Analyse wurde nicht die installierte Leistung der Anlagen verglichen, sondern die Menge an Strom, die über das Jahr hinweg geliefert wird. Demnach konnten Solaprojekte vor etwa 10 Jahren für eine vergleichbare Produktion bis zu fünfmal so viel Startkapital benötigen wie fossile Kraftwerke – diese Lücke hat sich inzwischen weitgehend geschlossen.
Laut Daten der IRENA (Internationale Agentur für Erneuerbare Energien) sind die Gesamtkosten von Solar-Photovoltaiksystemen seit 2010 um 87 % gesunken. Gründe dafür sind die Massenproduktion, höhere Moduleffizienz, breiter gewordene Lieferketten und mehr Erfahrung beim Ausbau.
Was sich an der Finanzierungslogik geändert hat
Die Kostenstruktur von Solar bleibt grundsätzlich dieselbe: Der Großteil der Ausgaben fällt am Anfang an. Doch weil heute deutlich weniger Kapital benötigt wird, verliert der frühere Vorteil fossiler Projekte an Kraft – nach dem Motto: „jetzt günstig bauen, den Brennstoff später zahlen“.
- Gaskraftwerke benötigen nach der Inbetriebnahme für jede Megawattstunde neuen Brennstoff.
- Ein Solarkraftwerk finanziert dagegen einen großen Teil seiner Energieerzeugung im Voraus – für 25 bis 30 Jahre.
Welche Marktfolgen das für aufstrebende Volkswirtschaften haben könnte
Diese Schwelle gilt vor allem für schnell wachsende aufstrebende Volkswirtschaften als besonders wichtig. Denn diese Länder sehen sich gleichzeitig mit steigender Stromnachfrage, hohen Finanzierungskosten und einer Abhängigkeit von importierter Kohle, Öl oder Gas konfrontiert.
Früher konnten Solaprojekte trotz niedrigerer Lebenszykluskosten wegen der heutigen Finanzierungsbelastung hinter fossilen Optionen zurückfallen. Die Internationale Energieagentur (IEA) betont ebenfalls, dass der Zugang zu kommerzieller Energiefinanzierung in Schwellen- und Entwicklungsländern deutlich schwächer bleibt als in Industriestaaten.
Andererseits müssen Solarinvestitionen dank ihres modularen Aufbaus nicht auf einmal in sehr große Projekte gebunden werden. Weil Kapazitäten schrittweise und in unterschiedlichen Größenordnungen ergänzt werden können, lassen sich Projektrisiko und Kapitalintensität besser steuern.
Wie sinkende Batteriekosten den Wettbewerb verändern
Weil Solar nachts keinen Strom produziert, sind Batterien, Netze, flexible Nachfrage und Reservekapazitäten weiterhin nötig. Allerdings sinken auch die Kosten für Batteriespeicher schnell; IRENA beziffert den Rückgang seit 2010 auf 93 %.
Nach der jüngsten Bewertung der Organisation liegen die Kosten für Solarstrom mit Speicher und durchgehender Versorgung in Regionen mit hoher Sonneneinstrahlung bei etwa 54 bis 82 US-Dollar pro Megawattstunde. Zum Vergleich: Neue Kohlekraftwerke in China liegen bei 70 bis 85 US-Dollar, neue Gaskapazitäten weltweit bei mehr als 100 US-Dollar. IRENA erwartet, dass diese Kosten bis 2030 um weitere 30 % sinken könnten.
Die Analysen betonen, dass dies nicht bedeutet, dass das gesamte Stromsystem allein mit Solar und einem einzigen großen Batteriespeicher betrieben werden kann. Das Ergebnis lautet jedoch: Solar ist nicht mehr nur langfristig eine günstige Option, sondern auch beim ersten Investitionsschritt zu einem Wettbewerber fossiler Brennstoffe geworden.
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