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Nach Gerichtsurteil sorgte frisches Geld für höhere Gewinne

Tarif-Rückerstattungen sind in den Ergebnissen großer US-Einzelhändler im zweiten Quartal zu einem wichtigen Posten geworden, der Gewinne und Margen stützte. Doch die unterschiedlichen Ansätze, unter welchem Posten die Rückzahlungen in der Gewinn- und Verlustrechnung verbucht wurden und ob sie eher zur Preissenkung oder zur Ergebnisverbesserung eingesetzt wurden, machten den Vergleich der Unternehmensleistungen für Wall Street deutlich schwieriger.

Der US Supreme Court entschied im Februar, dass das International Emergency Economic Powers Act Präsident Donald Trump nicht die Befugnis für die betreffenden Zölle verlieh. Danach wurden Rückerstattungsanträge nach und nach bewilligt, und das Geld floss im zweiten Quartal in die Bücher der Unternehmen. Die Händler konnten damit gestiegene Kosten teilweise ausgleichen, vor allem den Druck durch höhere Kraftstoffpreise.

Warum ist die Berichterstattung so kompliziert?

Laut Bryan Eshelman von der Beratungsfirma AlixPartners machen vor allem zwei Faktoren die Lage unübersichtlich: die Preissetzungsmacht eines Unternehmens im Markt und die Frage, wer beim Produkt als importierender Veranlasser geführt wird. Bei vielen Waren importiert der Einzelhändler nicht selbst, während manche Rückzahlungen auch an US-Hersteller gehen, die Rohstoffe einführen. Hinzu kommt, dass sich eine Rückerstattung wegen interner Buchungssysteme nicht immer eindeutig einem bereits verkauften Produkt zuordnen lässt.

Eshelman: „Das ist kein einfaches Geschäft.“

Unternehmen setzten dasselbe Geld mit unterschiedlichen Bilanzstrategien ein

Die Auswirkungen auf die Bilanzen fielen je nach Unternehmen sehr unterschiedlich aus. Ketten, die ihr Image als Preisführer betonen, verbuchten die Rückzahlungen als Entlastung bei den Kosten, um Verbraucherpreise zu stützen, während andere Konzerne dieselbe Quelle direkt zur Stärkung der Profitabilität nutzten.

  • Home Depot teilte mit, im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 730 Millionen Dollar an Tarif-Rückerstattungen erhalten zu haben und davon rund 685 Millionen Dollar zur Senkung der Warenkosten eingesetzt zu haben. Die Bruttomarge des Unternehmens stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,3 %.
  • Walmart erklärte, Anspruch auf rund 2,9 Milliarden Dollar an Rückzahlungen zu haben; eingezogen sei alles bis auf einen Betrag von etwas weniger als 100 Millionen Dollar. Der Bruttogewinn von Walmart USA stieg dadurch um 1,6 %; das Unternehmen kündigte an, dass sich der Effekt im laufenden dritten Geschäftsjahrquartal in den Preisen niederschlagen werde.
  • TJX Cos. verbuchte die erhaltenen Rückzahlungen in Höhe von 331 Millionen Dollar bei den Kosten der Waren im zweiten Quartal.

Spannung zwischen Preisnachlässen und Aktionärsrendite

Lowe's erklärte, die Rückerstattung habe den Gewinn je Aktie im zweiten Quartal um 0,11 Dollar erhöht. Das Unternehmen sagte, es plane nicht, die rund 80 Millionen Dollar im Gegensatz zu Wettbewerbern für Preisnachlässe zu nutzen, sondern lege den Schwerpunkt auf eine starke Profitabilität für die Aktionäre.

Target sagte nicht ausdrücklich, ob die Rückzahlungen direkt in Preissenkungen flossen. Das Unternehmen berichtete jedoch, im zweiten Quartal mehr als 10.000 Artikel günstiger angeboten zu haben, und teilte mit, dass die Tarif-Rückerstattungen den Nettogewinn um 752 Millionen Dollar bzw. 1,65 Dollar je Aktie erhöht hätten; der Effekt auf die Bruttomarge vor Steuern und das operative Ergebnis belief sich auf 994 Millionen Dollar.

Kohl's verbuchte 100 Millionen Dollar der erhaltenen Rückzahlungen in seiner Bruttomarge des zweiten Quartals. Den Rest will das Unternehmen in tiefere Bestandsinvestitionen stecken.

Einmaleffekte dürften auch künftige Vergleiche verzerren

Diese einmaligen Erträge machen es für Anleger schwieriger, die Prognosen für die kommenden Quartale einzuordnen. Wegen höher als erwarteter Zollsätze und häufig wechselnder Handelspolitik bilden die in dieser Saison gestiegenen Gewinnzahlen zwar eine positive Vergleichsbasis zum Vorjahreszeitraum, schaffen aber im nächsten Jahr eine deutlich anspruchsvollere Messlatte.

Auch auf Verbraucherseite sind die Effekte nicht leicht zu beziffern. Während inflationäre Belastungen, vor allem bei den Kraftstoffkosten, die Preisschilder gleichzeitig beeinflussen, rückte für die Branche ein anderer positiver Aspekt in den Fokus: die Notwendigkeit, vielfältigere und flexiblere Lieferketten aufzubauen. Am Ende, so Analysten, richte sich die Entscheidung der Unternehmen danach, welches Preisbild sie ihren Kernkunden vermitteln wollen.

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