Das Ergebnis des ersten Wahlgangs in Brasilien
Im ersten Wahlgang der Brasilien-Wahl ging der rechte Kandidat Flávio Bolsonaro als Erster aus der Abstimmung hervor, verfehlte jedoch die absolute Mehrheit, sodass die Entscheidung noch aussteht. Nach Auszählung von 98,81 % der Stimmen kam Bolsonaro auf 47,24 %, während Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva 44,91 % erreichte; beide treffen am 25. Oktober erneut in der Stichwahl aufeinander.
Der knappe Abstand bestätigte auch das Kopf-an-Kopf-Rennen, das sich bereits im Wahlkampf abgezeichnet hatte. Lula erhielt besonders im ärmeren Nordosten des Landes, bei Wählern mit niedrigerem Einkommen, bei Katholiken und Frauen Rückhalt, während Bolsonaro in den südlichen Regionen sowie unter wohlhabenderen Wählern und evangelikalen Christen stärker abschnitt.
Wie sich Kandidaten und politische Kräfteverhältnisse sortierten
Flávio Bolsonaro ist der Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro. Jair Bolsonaro wurde nach der letzten Wahl wegen der Planung eines gescheiterten Putschversuchs zu 27 Jahren Haft verurteilt; zudem war ihm eine erneute Kandidatur zuvor bereits untersagt worden.
Flávio Bolsonaro versprach, im Falle eines Wahlsiegs seinen Vater sowie Unterstützer zu begnadigen, die an den Angriffen vom 8. Januar 2023 beteiligt waren. Am Wahltag wurde auch Jair Bolsonaros Ehefrau Michelle Bolsonaro in den Senat gewählt.
Lula ist 80 Jahre alt und strebt eine vierte Amtszeit als Präsident an. Der bereits 2002, 2006 und 2022 gewählte Lula hatte Jair Bolsonaro bei der letzten Wahl mit weniger als 2 % Vorsprung geschlagen; das Ergebnis galt als knappstes Präsidentschaftsrennen in der Geschichte Brasiliens.
Wirtschaft, Sicherheit und Außenpolitik prägten die Debatte
Was waren die zentralen Themen?
- Wirtschaft: Verlangsamtes Wachstum und hohe private Verschuldung gehörten zu den wichtigsten Streitpunkten des Wahlkampfs.
- Sicherheit: Obwohl die Mordrate zurückging, blieben sichtbare Straßenkriminalität und Drogenschmuggel zentrale Sorgen der Wähler.
- Korruption: Ein Finanzskandal im Umfeld des inhaftierten Bankiers Daniel Vorcaro sorgte quer durch das politische Spektrum für Diskussionen.
Bolsonaro versprach eine Obergrenze für die Staatsverschuldung, Ausgabenkürzungen und eine Reform der Sozialprogramme; Lula setzte dagegen auf soziale Unterstützung, Investitionen in Bildung und eine stärkere Rolle des Staates. Bolsonaro sagte zudem zu, Banden als Terrororganisationen einzustufen und Hochsicherheitsgefängnisse nach dem Vorbild El Salvadors zu errichten.
Auch Vorwürfe ausländischer Einflussnahme prägten den Wahlkampf
Der Präsident des Obersten Wahlgerichts Brasiliens erklärte, es gebe keine Beweise für eine internationale Einflussnahme auf die Wahl. Im Wahlkampf hatte Lula dennoch zeitweise behauptet, die USA versuchten Einfluss zu nehmen; Flávio Bolsonaro wiederum setzte auf eine engere Linie zu Washington, plädierte zugleich aber für die Fortsetzung der Wirtschaftsbeziehungen mit China.
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