Scharfe Kritik an der Steuerpolitik der Regierung

Mike Ashley hat in einem Brief an den britischen Regierungschef Andy Burnham die Politik der Regierung zu Lebenshaltungskosten und Einzelhandel scharf kritisiert. Der Gründer von Frasers Group argumentierte, vor allem die Gewerbegrundsteuer und steigende Beschäftigungskosten setzten Unternehmen massiv unter Druck, und forderte in diesem Bereich eine tiefgreifende Reform.

Ashley wandte sich auch gegen die Idee, große Lagerhäuser stärker zu besteuern und damit Pub-Betreibern, Clubs und Live-Musik-Locations Rabatte zu gewähren. Dieser Ansatz könne nach seiner Ansicht ein neues Kostenungleichgewicht zwischen stationären Geschäften und Logistikstrukturen schaffen. Vor Burnhams erstem Haushalt am 28. Oktober forderte Ashley zudem eine Senkung der Arbeitgeberkosten.

Die Downing Street teilte mit, die Regierung wolle eine neue Wirtschaftsordnung schaffen, die britische Unternehmen stützt, Wachstum im ganzen Land verteilt und grundlegende Ausgaben wieder besser erschwinglich macht. Die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Stromrechnungen für Haushalte und Steuererleichterungen für bestimmte Unternehmen seien nur der Anfang, hieß es weiter.

Welche Kostenfaktoren stehen für den Einzelhandel im Fokus?

Die von Frasers Group angesprochenen Risiken

Die Regierung überprüft das Steuersystem für Gewerbeimmobilien. Vor dieser Prüfung war bereits eine 20-prozentige Ermäßigung der Gewerbegrundsteuer für Pubs, Sozialclubs und Live-Musik-Locations ab April angekündigt worden. Burnham hatte zuvor erklärt, solche Entlastungen könnten über höhere Abgaben auf Lagerhäuser finanziert werden, die von Online-Unternehmen genutzt werden.

  • Steigende Beschäftigungskosten und die Gesamtbelastung für Arbeitgeber
  • Auswirkungen zusätzlicher Steuern auf große Lagerhäuser auf die Rentabilität des Einzelhandels
  • Die finanzielle Lage leer stehender Immobilien in den Innenstädten

Ashley sagte, ohne umfassende Reformen werde die Struktur der Geschäfte in den Innenstädten weiter geschwächt. In seinem Brief kritisierte er den Ansatz der Regierung zu den neuen Steuermaßnahmen mit den Worten, es sei

Mike Ashley zufolge „zu wenig, zu spät“
.

Größe von Frasers Group und Bedeutung für den Markt

Frasers Group vereint Marken wie Sports Direct, Flannels, House of Fraser, Game, Evans Cycles, Slazenger, Jack Wills und Gieves & Hawkes unter einem Dach. Die Gruppe wird inzwischen von Ashleys Schwiegersohn Michael Murray geführt und zählt mit rund 30.000 Beschäftigten zu den großen Akteuren im Einzelhandel.

Ashley erklärte in dem Brief außerdem, Ladendiebstahl koste das Unternehmen rund 40 Millionen Pfund pro Jahr. Dass der Konzern in diesem Monat die Luxus-Kaufhauskette Harvey Nichols übernommen hat und für das Geschäft eine umfassende Umstrukturierung plant, zeigt, wie sehr Kostendruck und Wachstumsstrategie in der Branche gleichzeitig wirken.

Frasers Group baut zudem ihren Anteil am deutschen Bekleidungsunternehmen Hugo Boss weiter aus. Vor diesem Hintergrund erscheinen Ashleys Vorwürfe an die Regierung nicht nur als politischer Angriff, sondern auch als Warnung vor den Folgen von Steuer-, Beschäftigungs- und Sicherheitskosten für die Bilanzen großer Handelskonzerne.