Wie soll das neue Schutzpaket funktionieren?

Angesichts steigender Verbraucher­schäden durch Renovierungsbetrug in Großbritannien hat die Regierung angekündigt, im kommenden Monat ein neues System einzuführen, das zuverlässige Handwerker stärker in den Vordergrund rückt. Die Regelung soll Menschen, die ihr Zuhause renovieren lassen, besser vor Firmen schützen, die nach einer Anzahlung verschwinden oder die Arbeiten unvollständig abbrechen.

Teilnehmende Betriebe müssen nachweisen, dass sie bestimmte Standards bei Kundenservice, Transparenz und Streitbeilegung erfüllen. Bei dem neuen Zahlungsmodell fließt das Geld der Kunden nicht direkt an den Auftragnehmer; stattdessen wird der Betrag in Teilbeträgen freigegeben, sobald festgelegte Phasen des Projekts abgeschlossen sind.

Die Regierung argumentiert, dass redlich arbeitende Unternehmen so ebenfalls vor unlauterem Wettbewerb geschützt würden und Verbraucher ihre Ausgaben mit mehr Vertrauen tätigen könnten. Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds sagte, der Schritt solle sowohl den Verbraucherschutz stärken als auch seriöse Handwerksbetriebe unterstützen.

Zahlen zeigen das Ausmaß der Verluste

Laut Daten von Citizens Advice gehören Renovierungsarbeiten weiterhin zu den häufigsten Beschwerden von Verbrauchern. Nach Angaben der Regierung hatte in den vergangenen 18 Monaten mehr als ein Viertel der Menschen Probleme, die Arbeiten an ihrem Haus verbessern oder modernisieren ließen.

Eine auf einer Umfrage für die Competition and Markets Authority beruhende Berechnung beziffert die Schäden für Verbraucher im Jahr 2024 bei Haus- und Gartenservices auf mehr als 10 Milliarden Pfund – verursacht durch überhöhte Preise und unfaire Geschäftspraktiken.

  • Der Auftragnehmer verschwindet nach Erhalt der Anzahlung
  • Ein zunächst niedriges Angebot wächst später durch versteckte Posten
  • Die Arbeit wird unvollständig, mangelhaft oder zu einem überhöhten Preis abgeliefert

Widerspruch aus Branche und Opposition

Die National Federation of Builders argumentierte, es gebe bereits bestehende Programme, um vertrauenswürdige Handwerker zu finden, und das neue Modell werde betrügerische Akteure nicht automatisch aus dem System drängen. Der Verband verwies stattdessen auf einen Ansatz mit einem „Projektpass“, der alle Vorgänge bei jedem Renovierungsauftrag dokumentiert, und bezeichnete diesen als wirksamer.

Die oppositionellen Konservativen erklärten, die Regelung könnte Firmen, die sich ohnehin an die Vorschriften halten, mit zusätzlichem Papierkram belasten. Die Liberal Democrats wiederum sagten, ein freiwilliges Modell werde kaum ausreichen, um unseriöse Handwerker ohne Registrierung in das System zu holen.

Weitergehende Kontrollen ebenfalls im Gespräch

Das Chartered Trading Standards Institute begrüßte das neue System als ersten Schritt in die richtige Richtung, forderte aber zugleich eine verpflichtende Lizenzierung für Beschäftigte im Bereich Hauswartung und Reparatur. Die Organisation verwies besonders darauf, dass staatlich geförderte Programme ein Betrugsrisiko bergen können; seit 2022 wurden bei einigen öffentlich geförderten Dämmarbeiten an mehr als 30.000 Häusern erhebliche Mängel festgestellt.

Die Regierung plant außerdem, in England und Wales auch private Gerichtsvollzieher stärker zu regulieren. Menschen, die mit Inkassomaßnahmen konfrontiert sind, sollen demnach Zugang zu einem unabhängigen Beschwerdemechanismus erhalten; zudem sollen Gerichtsvollzieher beruflichen Standards unterliegen. Die Behörden erklärten, die Zusammenarbeit zwischen Institutionen wie Trading Standards und den Aufsichtsbehörden solle ebenfalls verbessert werden.