Im Vereinigten Königreich hat der Rückforderungsprozess für pensionierte Soldaten unerwartete Kürzungen bei Militärpensionen in den Fokus gerückt. Das Verteidigungsministerium bestätigte, dass es gegen mehr als 1.000 pensionierte Mitarbeiter Verfahren zur Einziehung von Schulden einleitet, die aus verschiedenen Gründen entstanden sein sollen. Der größte Posten betrifft eine Überzahlung von insgesamt 5,1 Millionen Pfund bei 335 Betroffenen, ausgelöst durch fehlerhafte Berechnungen der National Insurance (staatliche Sozialversicherung).

Nach Angaben des Ministeriums beruhten die Fehler auf Korrekturen bei der National Insurance, Entscheidungen zur Aufteilung von Pensionen, Zahlungen bei vorzeitigem Ausscheiden sowie auf Vorgängen im Zusammenhang mit dem gesetzlichen Rentenalter. Bei den 335 Fällen rund um die National Insurance wurde etwa ein Drittel der Schulden bereits vollständig beglichen, für 52 Personen wurden Ratenpläne vereinbart. Bisher sind von den insgesamt 5,1 Millionen Pfund 304.000 Pfund zurückgezahlt worden.

Zu den Fällen gehört der von Ray Lawton, 70, der 16 Jahre lang bei der Royal Artillery diente. Lawton wurde im Juli mitgeteilt, dass er wegen einer über sechs Jahre entstandenen Überzahlung 8.000 Pfund schulde. Kurz darauf wurde seine monatliche Militärpension von 550 Pfund auf 365 Pfund gekürzt.

Ein weiterer Veteran der Royal Navy sagte der BBC, er habe nach 36 Dienstjahren eine Forderung über 26.438 Pfund erhalten, woraufhin sein monatliches Einkommen um rund 650 Pfund sank. Der RAF-Veteran Barrie Goodwin erklärte, er habe eine zu hohe Zahlung zunächst vor sechs Jahren beanstandet, später aber dennoch ein Rückforderungsschreiben über 32.188 Pfund wegen einer angeblichen Überzahlung erhalten. Diese Fälle deuten darauf hin, dass es sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein breiteres Verwaltungsproblem handelt.

Die gemeinnützige Forces Pension Society, die pensionierte Soldaten unterstützt, erklärte, sie kenne zahlreiche Fälle mit Forderungen in Höhe von Zehntausenden Pfund. Nach Angaben der Organisation wurden einigen früheren Mitarbeitern sogar sechsstellige Beträge in Rechnung gestellt. Der Verband rät Betroffenen, die ein offizielles Schreiben erhalten haben, die Forderung zu prüfen, von Equiniti eine detaillierte Abrechnung anzufordern und das interne Beschwerdeverfahren zu nutzen.

Die Verwaltung des Pensionsplans erfolgt im Auftrag des Verteidigungsministeriums durch Equiniti, während das Technologieunternehmen Sopra Steria das System seit 2023 betreut. Sopra Steria erklärte, die Fehler seien in einem Vertrag entstanden, der mehr als ein Jahrzehnt zurückliege. Equiniti wiederum sagte ohne auf Einzelfälle einzugehen, bei der Verwaltung eines Plans dieser Größe spielten zahlreiche Institutionen, Systeme und Prozesse zusammen.

Die Regierung betont, sie sei verpflichtet, Steuergelder bei versehentlich zu viel gezahlten Beträgen zurückzufordern, werde dies jedoch verhältnismäßig und sensibel tun. Die frühere Verteidigungsministerin Penny Mordaunt sagte dagegen, es gebe in vielen Fällen starke Gründe, auf die Rückforderung der Schulden zu verzichten. Die Debatte konzentriert sich damit auf den Ausgleich zwischen dem Schutz öffentlicher Mittel und den plötzlichen Einbußen im Budget von Rentnern mit festem Einkommen.