Starke Kasse, langer Zeitplan: Nektar Therapeutics legt Zahlen vor
Nektar Therapeutics hat bei der Präsentation der Ergebnisse für das zweite Quartal am 13. August mitgeteilt, dass die Kasse mit 1,02 Milliarden Dollar genügend finanziellen Spielraum bis 2028 biete. Zudem erklärte das Unternehmen, dass sein wichtigster Arzneikandidat rezpegaldesleukin, kurz rezpeg, in zwei Autoimmunerkrankungen mit der Aufnahme von Patienten in Phase 3 begonnen habe. Dennoch drücken der gestiegene Verlust, höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie ein bis 2029 reichender Zeitplan für Daten weiter auf die Wahrnehmung der Aktie am Markt.
Welche Termine stehen im Phase-3-Programm im Fokus?
Erste Ergebnisse aus der Studie zu atopischer Dermatitis werden Mitte 2028 erwartet
Das atopische-Dermatitis-Programm des Unternehmens, ZENITH AD, hat im Juli 2026 in zwei wichtigen Studien mit der Randomisierung begonnen. In jeder Studie sollen insgesamt 510 Jugendliche und Erwachsene teilnehmen. Eine dritte Studie für Patienten, die bereits andere Therapien ausprobiert haben, soll ebenfalls bis Ende September 2026 starten. Die Unternehmensführung rechnet damit, die ersten hochrangigen Daten aus den Studien Mitte 2028 zu sehen; sollten die Ergebnisse positiv ausfallen, ist ein Antrag auf eine biologische Zulassung für 2029 vorgesehen.
Studie zu Alopecia areata als einzige Registrierungsstudie konkretisiert
Nach einem Gespräch mit der US-Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) im Anschluss an Phase 2 hat das Unternehmen für Alopecia areata eine einzelne registrierungsrelevante Phase-3-Studie unter dem Namen ZENITH AA aufgesetzt. An dieser Studie sollen 850 Patienten teilnehmen; primärer Endpunkt ist in Woche 52 ein SALT-Score von 20 oder darunter, also eine Kopfhaarabdeckung von mindestens 80 Prozent. Die Daten aus diesem Bereich werden in der zweiten Jahreshälfte 2029 erwartet.
Das Management betont, dass der kommerzielle Rahmen für rezpeg nicht nur von der klinischen Ausgestaltung abhängt. Nach Angaben des Top-Managements gibt es in den USA rund 15 Millionen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis, und weniger als 10 Prozent von ihnen erhalten eine systemische Behandlung. Das Unternehmen verweist zudem auf eine eigene Marktforschung, wonach 150 von 151 befragten Ärzten die kurzen Injektionsreaktionen unter rezpeg den länger anhaltenden Bindehautentzündungen vorzögen, die mit bestehenden Optionen verbunden seien.
Warum wirken Finanzlage und Marktindikatoren dennoch vorsichtig?
Trotz der starken Liquiditätsposition bleibt das Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben schwach. Im zweiten Quartal stieg der operative Verlust auf 42,3 Millionen Dollar nach 36,2 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Nettoverlust lag bei 40,6 Millionen Dollar, der Verlust je Aktie bei 1,23 Dollar.
- Die Prognose für die Forschungs- und Entwicklungskosten wurde für das Gesamtjahr auf 210 Millionen bis 230 Millionen Dollar angehoben.
- Die aktuellen Erlöse stammen größtenteils aus nicht zahlungswirksamen Lizenzgebühren; dieser Posten belief sich im zweiten Quartal auf 10,1 Millionen Dollar.
- Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr liegt bei höchstens 45 Millionen Dollar.
- Der öffentliche Aktienverkauf im April 2026 brachte dem Unternehmen brutto 373,8 Millionen Dollar, führte aber für die bestehenden Aktionäre zu einer Verwässerung.
Die Risiken beschränken sich nicht auf die Bilanz. Vor dem Bundesgericht in San Francisco ist ein Schwurgerichtsverfahren für den 8. September 2026 angesetzt. Zugleich ist die Zahl der Hedgefonds mit einer Nektar-Position jüngst von 56 im Vorquartal auf 50 gesunken, während die Leerverkaufsquote mit 19,92 Prozent der frei handelbaren Aktien auf eine ausgeprägt skeptische Marktstimmung hindeutet. Das zeigt: Trotz starker Kasse sind Anleger erst dann überzeugt, wenn die Phase-3-Ergebnisse vorliegen.
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