Warum hat sich die TPLF aus Mekelle zurückgezogen?

In der nordäthiopischen Region Tigray hat es erneut militärische Bewegung gegeben. Die dort herrschende TPLF erklärte, sie habe ihre Kräfte vorübergehend aus der Hauptstadt zurückgezogen, nachdem die Kämpfe mit der Nationalarmee auf Mekelle zugerückt seien. Die Entscheidung sei wegen der Risiken für die Zivilbevölkerung gefallen.

Zwei in Mekelle lebende Personen berichteten, regierungsnahe Kräfte hätten in der Stadt die Kontrolle übernommen, während TPLF-Einheiten abgezogen seien. Außerdem sei in einigen Stadtteilen der Mobilfunkdienst wieder angelaufen.

Die jüngste Entwicklung gilt als wichtiger Wendepunkt in den zuletzt wieder eskalierten Kämpfen in Teilen von Tigray, Afar und Amhara. Beobachter warnen, dass eine weitere Ausweitung des Konflikts neue Instabilität am Horn von Afrika auslösen und auch Nachbarländer treffen könnte.

Vor welchem Hintergrund haben sich die Kämpfe wieder verschärft?

Die Bevölkerung in Tigray versucht sich noch immer von den Folgen des verheerenden zweijährigen Bürgerkriegs zu erholen, der nach dem 2022 unter Vermittlung der Afrikanischen Union geschlossenen Pretoria-Abkommen endete. In den vergangenen sechs Monaten verschlechterten sich die Beziehungen zwischen den Konfliktparteien jedoch deutlich, beide Seiten warfen einander Verstöße gegen das Abkommen vor.

Im vergangenen Monat schloss sich die TPLF einem neuen Bündnis mit sechs bewaffneten Gruppen an, darunter der Fano-Miliz aus der Region Amhara. Ziel dieses Bündnisses sei es, die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed zu stürzen.

  • Der zweijährige Bürgerkrieg endete 2022 durch Vermittlung der Afrikanischen Union.
  • Beide Seiten warfen einander in den vergangenen sechs Monaten Verstöße gegen das Friedensabkommen vor.
  • Die TPLF bildete im vergangenen Monat ein neues Bündnis mit sechs weiteren bewaffneten Gruppen.

Nach Angaben eines Vermittlers der Afrikanischen Union kamen im früheren Krieg rund 600.000 Menschen ums Leben. Der Konflikt habe die Region zudem schon zuvor an den Rand einer Hungersnot gebracht, hieß es.

Was sagen die regionalen Spannungen und die humanitäre Lage aus?

Am Freitag brachen Äthiopien und Eritrea ihre diplomatischen Beziehungen ab, nachdem Addis Abeba dem Nachbarland vorgeworfen hatte, das neue Rebellenbündnis zu unterstützen. Eritrea wies die Vorwürfe zurück. Äthiopien beschuldigte außerdem auch Ägypten, die Rebellen zu unterstützen; in der Folge wurde ein ägyptischer Diplomat ausgewiesen, während Kairo im Gegenzug den Abgang eines Mitarbeiters aus der äthiopischen Botschaft verlangte.

Das US-Außenministerium rief vor einem für Sonntag in Ägypten geplanten diplomatischen Treffen mit Staatschefs einiger Nachbarländer Äthiopiens alle Seiten zu Zurückhaltung und Dialog auf. Die Vereinten Nationen erklärten, die sich verschlechternde Sicherheitslage in Nordäthiopien behindere humanitäre Hilfe erheblich, und forderten sicheren und ungehinderten Zugang für Bedürftige.